Von Sachsen und anderen Anhaltern

Der Tag fing schon nicht gut an. Zwar erfüllte der Wecker getreulich seine Pflicht, lag aber unglücklicher Weise in unmittelbarer Reichweite meiner Hand, so daß die teuflische Funktion „Snooze-Taste“, deren Erfinder von allen zum pünktlichen Aufstehen verpflichteten Zeitgenossen wohl schon hundertmal verflucht wurde, problemlos nutzbar war. Ich stand also eine Stunde später als geplant auf. Was den sorgfältig geplanten Zeitplan gehörig ins Schwanken brachte, aber kompensierbar war.
„Von Sachsen und anderen Anhaltern“ weiterlesen

Advertisements
Von Sachsen und anderen Anhaltern

Erinnerung: Gachmuret feat. Der Hausheilige & Kollegen – live.

Wem es im März nicht vergönnt war, der Lesung aus Texten des Hausheiligen beizuwohnen oder wem es so gut gefallen hat, daß eine Wiederholung wünschenswert wäre, hat nun die Gelegenheit dazu, mir erneut zu lauschen.
Im Programm des diesjährigen Sachsen-Anhalt-Tages, der in diesem Jahr in Weißenfels stattfindet, gibt es den Programmpunkt „Stille Schätze“, mit dem ein Kontrapunkt zum Volksfesttrubel des übrigen Programms gesetzt werden soll.

Am 21. August zwischen 12 und 13 Uhr werde ich also im Novalis-Pavillon zu erleben sein.

Auf dem Programmzettel stehen neben dem Hausheiligen dieses Blogs bereits Alexander Sergejewitsch Puschkin, sowie die Weißenfelser Geistesgrößen Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, Joachim Wilhelm Freiherr von Brawe und Frank Fischer.

Für alle, die nicht ortskundig sind, hier eine Anfahrtsskizze.

Wir sehen uns dann nächste Woche. 😉

var flattr_url = ‚http://gachmuretsnotiz.blog.de/2010/06/07/gachmuret-feat-hausheilige-kollegen-live-8748927/‘;
var flattr_btn=’compact‘;

Erinnerung: Gachmuret feat. Der Hausheilige & Kollegen – live.

Gachmuret feat. Der Hausheilige & Kollegen – live

Wem es im März nicht vergönnt war, der Lesung aus Texten des Hausheiligen beizuwohnen oder wem es so gut gefallen hat, daß eine Wiederholung wünschenswert wäre, hat nun die Gelegenheit dazu, mir erneut zu lauschen.
Im Programm des diesjährigen Sachsen-Anhalt-Tages, der in diesem Jahr in Weißenfels stattfindet, gibt es den Programmpunkt „Stille Schätze“, mit dem ein Kontrapunkt zum Volksfesttrubel des übrigen Programms gesetzt werden soll.

Am 21. August zwischen 12 und 13 Uhr werde ich also im Novalis-Pavillon zu erleben sein.

Die Gästeliste ist noch nicht endgültig, zugesagt haben aber neben dem Hausheiligen dieses Blogs bereits Alexander Sergejewitsch Puschkin, Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg und Johann Christoph Friedrich von Schiller. Weitere Gäste sind geladen, haben aber ihre Teilnahme noch nicht bestätigt.

Für alle, die nicht ortskundig sind, hier eine Anfahrtsskizze.

Wir sehen uns dann im August. 😉

var flattr_url = ‚http://gachmuretsnotiz.blog.de/2010/06/07/gachmuret-feat-hausheilige-kollegen-live-8748927/‘;
var flattr_btn=’compact‘;

Gachmuret feat. Der Hausheilige & Kollegen – live

Gachmuret feat. Der Hausheilige – revisited

Wie hier und in diversen sozialen Netzwerken on- und offline vollumfänglich beworben, fand vor neun Tagen die öffentliche Verlesung großartiger Werke des Hausheiligen statt. Für all jene in der geneigten Leserschaft, die an dieser kultischen Handlung, aus welch fadenscheinigen Gründen auch immer, meinten, nicht teilnehmen zu müssen, soll heute ein kurzer Rückblick gewährt werden. Das überaus aparte Fürstenhaus in Weißenfels, dessen Räumlichkeiten wenn nicht zur Heiligenverehrung, dann doch zu anderen rituellen Handlungen gerne genutzt werden, bot eine durchaus angemessene Kulisse. Da es schwierig ist, die Atmosphäre eines solchen Ereignisses auch nur annähernd adäquat zu beschreiben, sollen einige ausgewählter Bilder genügen, um kurz einige Eindrücke zu vermitteln. Hier sehen wir den Hohepriester bei den letzten Vorbesprechungen zum Ablauf der Zeremonie:

Auf dem Altar aufgebaut waren folgende Devotionalien (freilich nicht unbedingt in den hier verlinkten Ausgaben):
Tucholsky: Schloß Gripsholm
Jacobsohn: Briefe an Kurt Tucholsky
Tucholsky: Panter, Tiger & Co.
Tucholsky: Deutschland, Deutschland über alles
Hepp: Kurt Tucholsky. Biographische Annäherungen
sowie, als Textgrundlage, Tucholsky: Gesammelte Werke

Der Hohepriester erwartet mit der gebotenen Strenge die Anhänger und die zu Bekehrenden. Die in vielen kultischen Zusammenhängen weltweit verbreiteten mehrarmigen Leuchter finden auch hier gebührenden Einsatz:

Ebenfalls ein Klassiker bei Zeremonien: Wasser. Und natürlich die exklusive Verwendung durch den mit der Ausführung der kultischen Handlungen Beauftragten. Distanz zwischen Künstler und Publikum, you know?

Neugewonnene Anhänger strömen mit geöffneten Brieftaschen zum Altar. Dem Ziel, Anführer einer charismatischen Religionsgemeinschaft zu werden, war ich nie näher:

Alles in allem: Ein voller Erfolg. Anregende Gespräche über Deutungen und Textauswahl ergaben sich aber erst im direkten Kontakt. Coram publico wollte keiner sprechen…

Und zum Abschluß noch die Textliste zum Nachlesen:
I An das Publikum (1931)
II Frauen von Freunden (1925)
III Jemand besucht etwas mit seinem Kind (1925)
IV Was machen die Leute da oben eigentlich? (1930)
V Wo bleiben Deine Steuern? (1926)
VI Kleine Begebenheit (1921)
VII Ein Ehepaar erzählt einen Witz (1931)
VIII Moment beim Lesen (1932)
IX Rosen auf den Weg gestreut (1931)
X Gruß nach vorn (1926)
XI Abends nach sechs (1924)
Da capo:
Augen in der Großstadt (1930)
Das Ideal (1927)
Frauen sind eitel. Männer? Nie-! (1928)

Und ganz zum Schluß noch eine Devotionalie zum Ausdrucken, Vergrößern und Einrahmen:

Meinen Programmzettel

Gachmuret feat. Der Hausheilige – revisited

Gachmuret feat. Der Hausheilige – live

Zur Heiligenverehrung gehören stets auch öffentliche kultische Handlungen.
Bei Heiligen, die schriftliche Zeugnisse hinterlassen haben, gehört das rituelle Vortragen ebendieser Schriften zum üblichen Repertoire der zeremoniellen Anbetung.

Am 24. März 2010 werde ich dem Hausheiligen einen Abend widmen. Womit sich der geneigten Leserschaft die Gelegenheit ergibt, zur geneigten Hörerschaft* zu werden.
Um 19 Uhr im Fürstenhaus Weißenfels im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Literaturkreises Novalis. Eintritt frei.

Für alle Ortsunkundigen hier der Eintrag bei Google Maps zur Orientierung.

Zur Einstimmung ein Kommentar des Hausheiligen zum Urteil des Bundesverfassungsgerichtes in Sachen „Hartz IV“

Wo bleiben deine Steuern –?

Wenn einer keine Arbeit hat,
ist kein Geld da.
Wenn einer schuftet und wird nicht satt,
ist kein Geld da.

Aber für Reichswehroffiziere
und für andre hohe Tiere,
für Obereisenbahndirektionen
und schwarze Reichswehrformationen,
für den Heimatdienst in der Heimat Berlin
und für abgetakelte Monarchien –
dafür ist Geld da.

Für Krankenhaus und Arbeiterquartier
ist kein Geld da.
Für den IV. Klasse-Passagier
ist kein Geld da.

Aber für Wilhelms seidne Hosen,
für prinzliche Zigarettendosen,
für Kleinkaliberschützenvereine,
für Moltkezimmer und Ehrenhaine,
für höhere Justizsubalterne
und noch eine, noch eine Reichswehrkaserne –
dafür ist Geld da.

Wenn ein Kumpel Blut aus der Lunge spuckt,
ist kein Geld da.
Wenn der Schlafbursche bei den Wirten zuguckt,
ist kein Geld da.

Aber für Anschlußreisen nach Wien,
für die notleidenden Industrien
und für die Landwirtschaft, die hungert,
und für jeden Uniformierten, der lungert,
und für Marinekreuzer und Geistlichkeiten
und für tausend Überflüssigkeiten –
da gibts Zaster, Pinke, Moneten, Kies.
Von deinen Steuern.
Dafür ist Geld da.

aus: Tucholsky: Werke, Briefe, Materialien, S. 4635 (vgl. Tucholsky-GW Bd. 4, S. 538) (c) Rowohlt Verlag. http://www.digitale-bibliothek.de/band15.htm

*(c) Joachim Deicke

Gachmuret feat. Der Hausheilige – live

Gachmurets Kulturwoche: Ort

Heute möchte ich dem geneigten Lesepublikum eine Stadt ans Herz legen, die zu Unrecht belächelt wird, wenn kulturell interessante Reiseziele benannt werden sollen:

Weißenfels

Manche Städte haben es nicht leicht, Ernst genommen zu werden. Sei es, weil sie unglückliche Namen abgekommen haben (Darmstadt) oder weil durch unglückliche Infrastrukturmaßnahmen ihre Existenz grundsätzlich in Frage gestellt wurde (Bielefeld). Auch Weißenfels hatte nicht gerade Glück bei den Umständen, die notwendig sind, um eine erfolgreich-bekannte Kleinstadt zu werden.
Denn eigentlich ist alles da, was man braucht.

Weißenfels war barocke Residenzstadt, hat ein schönes Schloß und wurde im Krieg nicht zu sehr getroffen. Es gibt eine wunderbare Naturlandschaft rings herum. Prima Sache, ideale Voraussetzungen für rege Touristenströme. Wernigerode kriegt das ja auch hin.
Unglücklicherweise wurde aber bereits nebenan in der ehemaligen Residenzstadt Naumburg ein Dom gebaut, dessen Stifterfiguren es in jedes Kunstlexikon schaffen und dank Neo Rauch wird die Stadt wohl auch in Nachschlagewerken zur zeitgenössischen Kunst prominent vertreten sein. Wohin schickt also wohl der Reiseführer vorrangig? Richtig.
Na gut, na gut, es muß ja nicht immer Architektur und bildende Kunst sein. Gönnen wir das Naumburg, die brauchen ja auch Besucher..

Wie wäre es mit Musik?

Heinrich Schütz ist neben Bach und Händel wohl der bedeutendste mitteldeutsche Barockkomponist. Er wuchs in Weißenfels auf, sein Talent wurde hier entdeckt und er verbrachte hier seinen Lebensabend. Es gibt ein Heinrich-Schütz-Haus und ein passendes Musikfest.
Feine Sache, daraus läßt sich doch was machen.
Unglücklicherweise aber sind Halle (Händel) und Leipzig (Bach) mit ihren alles überstrahlenden Barockmusikfestivals gerade mal jeweils ca. 30km entfernt. Und daß Schütz nun auch noch ausgrechnet in Dresden anheuern mußte, ist auch nicht hilfreich.
Denn, was denkt der clevere Reiseführerredakteur? Richtig: Barock, Schütz, Dresden – prima, Thema abgehakt.
Dabei gäbe es gute Gründe, zu denken: Barock, Schütz, Händel, Bach, Weißenfels – prima, Riesenthema abgehakt.
Achja, und daß auf der Autobahn nur „Schützhaus“ als Hinweisschild steht, wird kaum die Zufallsbesucher, die nicht permanent den Komponisten im Kopf haben, anlocken.
Denn die denken: „Ja, nu, ein Schützenhaus, das haben wir auch.“
Gut, Musik also auch nicht.

Klappt es dann vielleicht mit Krieg?

In Weißenfels gibt es das Geleitshaus. An sich schon eine spannende Sache, denn sehr viele Geleitsamtsgebäude sind nicht erhalten (ich werde das jetzt nicht erklären – ihr sollt da ja schließlich hinfahren…)
Dort wurde die Leiche des schwedischen Königs Gustav Adolf II. nach einer der berühmtesten, wenn nicht sogar der entscheidenden Schlacht des Dreißigjährigen Krieges seziert und einbalsamiert. Man hat sogar den unbedingt notwendigen Blutfleck für die Touristen da.
Tja, und wie heißt die Schlacht? Genau, Schlacht bei Lützen. Was steht also wohl im Reiseführer, wo soll man hin? Richtig.

Gut, probieren wir es nochmal anders.

Es gibt ja auch Städte, die werden durch ihre Produkte berühmt. Solingen. Salzwedel. Einbeck. Überhaupt, vielleicht die beste Variante, den eigenen Namen berühmt zu machen (weswegen ja auch jeder Ort mindestens eine regionale Süßigkeit, ein regionales Gebäck und ein regionales alkoholisches Getränk hat.)
Weißenfels war schon vor der Industrialisierung eine Stadt der Schuhe, mit dem Einsetzen dieser wurde sie aber, DIE Schuhstadt, ein Status, den sie in der DDR behielt. Da Weißenfels aber bekanntermaßen nicht in Fernost liegt, werden dort heute keine Schuhe mehr produziert. Geblieben ist ein Schuhmuseum. Und eine Plastik im Stadtpark, zu der sich prima Anekdoten erzählen lassen. Sehr schön.
Doch, ach, was ist der Hauptpunkt für Touristen bei Solinger Messer, Salzwedeler Baumkuchen und Einbecker Bockbier? Genau: Man kann sie kaufen. Vor Ort, quasi frisch vom Amboß, aus dem Ofen, aus dem Kessel. Und Schuhe, die nicht zum Verkauf stehen, die also nie einen Fuß umschmeicheln werden, sind leider, so viel habe ich bei Sex and the City gelernt, kein Anziehungspunkt. Was im Übrigen schade ist, das Museum im Schloß sollte man gesehen haben.
Und die heutigen Großbetriebe Tönnies und frischli (wobei: Leckermäulchen!) sind sowohl in Sachen Touristenmagnet wie auch kulturell betrachtet nicht wirklich ein Ersatz…
Ich könnte diese Liste mit Punkten, die Weißenfels absolut sehenswert machen, die aber durch unglückliche Umstände nie den großen Sprung ins öffentliche Bewußtsein schafften, noch eine Weile weiterführen, hoffe aber, daß die Botschaft angekommen ist und das geneigte Lesepublikum nun weiß, wohin es den nächsten Ausflug plant.

Stadtführungen
Zur Einstimmung lesen.

P.S.: Einen habe ich noch:
Die historisch gewachsene Lage an zwei Handelsstraßen und einem beträchtlich großen Fluß machte Weißenfels mit dem Anstieg des kraftfahrzeuggebundenen Individualverkehrs zu einem berüchtigten Nadelöhr. Wenn also gelernte DDR-Bürger bei „Weißenfels“ nicht sofort an Schuhe denken, dann denken sie wahrscheinlichst an „Stau, kilometerlanger Stau“. Mithin: Hier fuhr man nur lang, wenn man es mußte, nicht, weil man es wollte. Es gibt günstigere mentale Voraussetzungen für den Status als Ausflugsziel.
Inzwischen allerdings gibt es ganz hervorragende Möglichkeiten, per PKW Weißenfels zu umfahren. Ja, und das machen die meisten dann ja auch…

P.P.S.: Zumindest aber die WGT-Teilnehmer kennen ihre kulturellen Bezüge und so vergeht kein Wave-Gothic-Treffen ohne Blumen an Novalis Grab. 😉

Gachmurets Kulturwoche: Ort