Eine Woche in ungelesenen Büchern (1)

Wie der geneigten Leserschaft unschwer aufgefallen sein wird, ist das ursprüngliche Kernthema dieses Blogs, die wöchentliche Buchempfehlung, seit langer Zeit zur Ruhe gekommen. Real Life, was willste machen….

Also werde ich mal etwas anderes versuchen. Da die Hauptbeschäftigung von Buchhändlern darin besteht, ungelesene Bücher in den höchsten Tönen zu loben (Schnittmengen zum Feuilleton sind möglich, und ja, wir haben eine eigene Abteilung in der Hölle), werde ich das hier auch mal versuchen. Es soll um Bücher gehen, die mir im Laufe der Woche aus unterschiedlichsten Gründen in die Hände fielen (meist sicher, weil sie neu erschienen sind, es sind aber auch jede Menge andere Gründe denkbar) und deren Lektüre mir lohnenswert erscheint.

Sollte sich jemand in der geneigten Leserschaft animiert fühlen und das eine oder andere Buch tatsächlich lesen: Rückmeldungen sind gern gesehen – und der Vorteil am Virtual Life: Ihr könnt mir die Dinger nicht ohne weiteres an den Kopf werfen. Hehe.

Ist der Feminismus am Ziel?
Maskulisten, PI-Leser und Freunde der »Partei des gesunden Menschenverstands« würden diese Frage wohl nicht nur bejahen, sondern wohl sogar konstatieren, dass dieser über sein Ziel hinausgeschossen sei.
Emma Watson (an deren Rede es durchaus auch Grund zur Kritik gibt) verdeutlich aber zumindest eins: Es geht beim Feminismus gar nicht um Frauen. Verwirrt? Dann sei dringend zu

Cover Anne Wizorek

Anne Wizorek: Weil ein #Aufschrei nicht genügt geraten. Anne Wizorek (@marthadear) zeigt gerade jenen, die bei »Feminismus« bestenfalls Alice Schwarzer und brennende BHs assoziieren, dass Kernthema der aktuellen feministischen Bewegungen keineswegs die aanzustrebende Weltherrschaft der Frauen ist, sondern eher eine gerechte Welt für alle. Ich denke, wenn man schon überall über Feminismus diskutiert, sollten wir doch wenigstens in Grundzügen wissen, worüber wir da sprechen.

Apropos Alice Schwarzer. Deren merkwürdiges Gesellschaftsverständnis (siehe hierzu meine früheren Lektürehinweise) unterscheidet sich strukturell kaum von patriachalen Denkmustern. Besonders deutlich wird dies in ihrem Kreuzzug gegen Pornographie und Prostitution. Und gerade zu letzterem scheint mir Melissa Gira Grant einen wesentlichen Debattenbeitrag in ihrem Buch

Cover Melissa Gira Grant

http://bit.ly/1sHPGYD“ target=“_blank“>Hure spielen. Die Arbeit der Sexarbeit zu leisten. Ich habe jedenfalls schon einmal mit der Lektüre begonnen.

Dann fiel mir noch dieses Buch hier in die Hände:

Cover Niklas Maak

Niklas Maak: Wohnkomplex. Warum wir andere Häuser brauchen. Niklas Maak habe ich bisher nur aus der Ferne wahrgenommen, kann der Beschreibung seitens des Verlages, sein Werk sei witzig, streitbar und bestens recherchiert hier zunächst einmal nur wiedergeben. Das Thema mag nicht besonders massentauglich sein, ist aber nichtsdestotrotz wichtig. Die Frage, warum eigentlich unser Lebensglück an einem Einfamilienhaus hängen soll, ist nicht abwegig. Maaks Lebenslauf macht auf jeden Fall Hoffnung, dass es sich hier nicht um oberflächliches Getue handelt.
Und das Wortspiel des Titels verdient immerhin Vertrauen. 😉

Zu guter Letzt sei noch darauf hingewiesen, dass Sibylle Bergs

Cover Sibylle Berg

Vielen Dank für das Leben nun als Taschenbuch vorliegt. Womit es keine Ausrede mehr gibt.

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Eine Woche in ungelesenen Büchern (1)

Alice? Wer ist eigentlich Alice?

Ich halte es für ein beredtes Zeichen für den Zustand unserer Gesellschaft, dass hierzulande Alice Schwarzer für eine wichtige Feministin gehalten wird (und indem man sie dafür hält sie natürlich dementsprechend auch eine ist). Betrachtet man die Fähigkeit, gesellschaftliche relevante Breitenwirkung zu erzielen, ist sie vielleicht sogar die einzige.
Das ist aber höchst gefährlich, denn Alice Schwarzer vertritt ein Denkmodell, das unbedingt Widerspruch bedarf, und zwar besonders von progressiver Seite (siehe hierzu z.B. Seeliger, 2010).

Zur von ihr aktuell (und ganz zufällig pünktlich zum Erscheinen ihres neuen Buches) initiierten Aktion zur Abschaffung der Prostitution kommt jetzt genau dieser Widerspruch, sachlich, klar, nüchtern und doch entschieden.

Sonja Dolinsek erläutert sehr präzise, warum und wieso der Appell von Schwarzer und ihren prominenten MitunterzeichnerInnen unsäglich, wenn nicht sogar unerträglich ist – auf jeden Fall aber kontraproduktiv. Und ganz nebenbei seziert sie Schwarzers Denken und offenbart die zugrundeliegenden Denkmuster, die mit Denkmodellen kompatibel sind, von denen wir uns eigentlich verabschiedet haben wollten.

Also los, Sonja Dolinsek lesen.

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Alice? Wer ist eigentlich Alice?