Buchhändlerfreuden (1)

Vertreter & Vorschauen

März ist die Zeit der Leipziger Buchmesse. Es wird eine Aufmerksamkeit für das Buch generiert wie es sonst nur noch im Oktober geschieht. Das ist für Buchhändler natürlich eine feine Sache, für Verlage nicht minder und doch ist das immer so eine Sache. Denn Marketingmenschen werden meist sehr hibbelig, wenn sie merken, dass sie Aufmerksamkeit einfach so bekommen, also ohne dafür ausgeklügelte Maßnahmen ergreifen zu müssen. Einfach nur, weil März ist.
Das fürht zu einer Novitätenkonzentration im Frühjahr, die inzwischen ungesunde Ausmaße erreicht hat. Ungesund weniger wegen der geschundenen Rücken und Arme der Noviätentische füllenden Buchhändler als vielmehr wegen der zwangsläufigen Situation, dass unter alls den Knallern, die da auf den Markt geworfen werfen, nicht nur die Rosinen unterzugehen drohen, sondern auch der eine oder andere veritable Bestseller keiner wird, weil er sich einfach nicht mehr durchsetzen konnte – was er im Mai aber vielleicht können würde. Man müsste dann zwar auf die messebedingte Aufmerksamkeit verzichten, könnte dafür aber in einem weniger gefüllten Umfeld besser reüssieren. Da aber kein Marketingmensch freiwillig auf mögliche Aufmerksamkeit verzichten will, kommen eben alle im März.

Das Leiden des Buchhändlers beginnt aber sehr viel früher, nämlich im Januar und Februar, dann wenn die Verlagsvertreter zu Besuch kommen und der Einkauf ansteht. Dann also, wenn man sich all die Stapel bestellt, die man wenige Wochen später, in aller Ambivalenz fluchend und doch irgendwie wohlgestimmt auf die immer viel zu geringe Ladenfläche zu verteilen sucht.

Und in genau diesen Vertretergesprächen begegnen den Beteiligten dann Formulierungen und Sätze, die Teil eines eingespielten Zeremoniells sind. Sei es, dass in der Verlagsvorschau nur noch Spitzentitel, Schwerpunkttitel, Bücher des Monats und Bestseller beworben werden oder Vertreter und Buchhändler ritualisierte Textbausteine austauschen. Genau dieses Sammelsurium findet sich nun, als Werbemaßnahme für Lorenz Meyers »Das ultimative Bullshit-Bingo«, im Buchhändler/Vertreter/Vorschauen-Bullshit-Bingo, das als .pdf für alle Interessierten heruntergeladen werden kann. Und ich kann sagen: Ich hätte auf jeder Reise jedes Feld ankreuzen können. Mein Lieblingssatz ist übrigens: »Da nehme ich mal eins.«


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