Und noch einmal: Küsst die Faschisten

Man sollte sich vielleicht doch nicht mit Geschichte befassen. Allzu gruselig ist es doch, wie oft sich ein- und dieselben Dinge wiederholen und wie wenig Mühe sich manche Kräfte geben müssen, um sich eine Strategie auszudenken. Und auch wenn es die geneigte Leserschaft ermüden mag, zu den aktuellen Meldungen um die Zwickauer Nazi-Zelle, die beliebten Kürzungen der Mittel im Kampf gegen Rechts und die perfide Dramatisierung des Linksterrorismus ((gar nicht zu reden von den bösen Muslimen) bei gleichzeitiger Marginalisierung desselben von rechts , muß ich noch einmal auf diesen Text verweisen:

http://www.blog.de/srv/media/dewplayer.swf?son=http://data7.blog.de/media/632/5938632_f94e907f9b_a.mp3

Rosen auf den Weg gestreut

Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,
erschreckt sie nicht – sie sind so zart!
Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln,
getreulich ihrer Eigenart!
Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft!

Wenn sie in ihren Sälen hetzen,
sagt: »Ja und Amen – aber gern!
Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!«
Und prügeln sie, so lobt den Herrn.
Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft!
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft.

Und schießen sie –: du lieber Himmel,
schätzt ihr das Leben so hoch ein?
Das ist ein Pazifisten-Fimmel!
Wer möchte nicht gern Opfer sein?
Nennt sie: die süßen Schnuckerchen,
gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen . . .
Und verspürt ihr auch
in euerm Bauch
den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft –:
Küßt die Faschisten, küßt die Faschisten,
küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft –!

Die Lesung findet sich auf dem Hörbuch Gruß nach vorn

in: Werke und Briefe: 1931. Tucholsky: Werke, Briefe, Materialien, S. 8324-8325 (vgl. Tucholsky-GW Bd. 9, S. 162-163)

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Und noch einmal: Küsst die Faschisten

2 Gedanken zu “Und noch einmal: Küsst die Faschisten

  1. Aber dazu gibt es doch die Frage: Ist nicht die „Nazis Raus“ – Einstellung ebenso faschistisch? Man möchte sich ja einer ungeliebten Gruppe von Menschen mit einer bestimmten politischen Einstellung entledigen.
    Ja, nun die Frage: Ist Faschismus eine Einstellung?
    Die Beantwortung bleibt jedem selber überlassen.
    Ich persönlich habe die Erfahrung gamacht, dass man faschistisches Denken verhindern kann. Mit direkter Auseinandersetzung und einfachen Argumenten. Denn Faschistmus hat keine Argumente, Faschismus ist immer unüberlegt und undurchdacht!
    Also: Bildet – ja auch Faschisten!

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  2. Nunja,

    mitnichten habe ich mir eine „Nazis Raus“-Einstellung zu eigen gemacht. Gibt meines Erachtens der Text auch nicht her. Zu der Parole „Nazis Raus!“ hat Marc-Uwe Kling in seiner Radiokolumne bereits alles gesagt: http://bit.ly/fQ9TXN
    Allerdings, und hier wird es in der Tat argumentativ heikel, halte ich es für naiv, zu glauben, Nazis ließen sich durch vernünftige Argumente überzeugen. Das funktioniert bei Menschen mit einem geschlossenen Weltbild nie (und zwar ganz egal, ob dieses nun religiös, esoterisch oder sonst ideologisch motiviert ist). Es bedarf hierbei ganz anderer Strategien, wozu zunächst einmal tatsächlich eine Einschränkung der Wirkungsmöglichkeiten gehört. Denn, und das lernt jeder in der Schule, die Meinungsfreiheit gilt keineswegs absolut. Wie jedes Herrschaftssystem behält sich auch die Demokratie vor, all jene auszuschließen und zu bekämpfen, die sie abzuschaffen gedenken. Es wäre jetzt nur noch toll, wenn sie es denn auch täte. sprich: So wehrhaft wäre, wie sie sich gerne auf dem Papier gebärdet.
    Und im Übrigen ist faschistisches Denken keineswegs unüberlegt und undurchdacht. Es handelt sich im Gegenteil um ein sehr inhärentes Weltbild, daß ganz ganz hervorragend funktioniert, solange man eben daran glaubt (und unterscheidet sich in diesem Punkt von keiner anderen Ideologie).

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