Historische Wende

Der 31. August 1997 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des Boulevardjournalismus. Die dramatischen Auswirkungen ihrer Arbeitsweise, manifestiert im Tod Lady Dianas und ihres Lebensabschnittsgefährten Dodi Al-Fayed, ließen die Journalisten umdenken, dem Publizieren von Paparazzi-Fotos abschwören, um so deren Arbeitsgrundlage zu zerstören, und fürderhin die Privatsphäre von Personen öffentlichen Interesses zu respektieren, damit sich dergleichen nie wiederhole. Mit großer Zerknirschung gestand man die eigene Mitschuld an diesem Tod ein und die staunende Leserschaft erlebte einen unvorhergesehen Umschwung in der Yellow Press, die sich seitdem jeglicher willkürlicher Aburteilung, Gerüchteverbreitung und Prominentenhatz enthält. Ja, so war das, damals.

Erstaunlich finde ich dabei übrigens weniger die Halbwertszeit dieser Beteuerungen als vielmehr die ungebrochene Nachfrage des Publikums. Es ist ja nicht so, daß Rupert Murdoch, Matthias Döpfner und wie die Kollegen alle heißen mögen, aus reiner Böswilligkeit ihre Zeitungen mit erfundenen, abgehörten, aufgebauschten, erpressten Geschichten füllen lassen – nein, es geht darum Geld zu verdienen. Möglichst viel Geld. Und nun mag es fragwürdig sein, sein Geld mit solcherlei Methoden verdienen zu wollen und auf die niedersten Instinkte zu setzen – allein, es gehören zwei dazu: Den ganzen Spaß muß auch jemand kaufen. Sonst sieht es nämlich schlecht aus mit dem Geldverdienen. Es sind täglich Millionen und Abermillionen Menschen bereit, dafür zu bezahlen, daß andere Menschen, die das Glück oder Pech haben, öffentliches Interesse erregt zu haben (und dazu gehört nach Auffassung der Axel Springer AG bekanntermaßen nicht viel), verfolgt, belauscht, erpresst werden. Die bereit sind, dafür zu zahlen, daß die minimalen Bürger- und Menschenrechte für all jene nicht mehr gelten, für die der Boulevardjournalismus das entscheidet.

Man kommt nicht umhin, hier heftigst Prostetnik Vogon Jeltz in seiner Einschätzung vollumfänglich zuzustimmen:

Ich weiß nicht, […] ein lahmer Drecksplanet ist das. Ich habe nicht das geringste Mitleid.

*

Und nun – Musik.


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*in: Adams, Douglas: Per Anhalter durch die Galaxis. Gesamtausgabe. Rogner & Bernhard Berlin. 3. Aufl. 2008, S. 38.

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