Hasen sind nicht süß.

Menschen sind seltsam.
In Vechta findet heute ein Prozeß statt, der, zumindest auf den ersten Blick, äußerst skurill wirkt. Eine Lehrerin klagt gegen eine 14jährige Schülerin mit dem Ziel, ihr zu verbieten, Hasen an die Tafel zu malen.
Offenbar leidet die Pädagogin unter einer Hasenphobie. Nicht nur vor real existierenden Hasen, sondern auch vor deren Abbildern oder sogar dem Wort „Hase“. Nach Berichten von Schülern bekommt sie schon bei der Erwähnung des Möhrenfans einen Tobsuchtsanfall oder verläßt fluchtartig den Raum.
Neben der Frage, was die gute Frau eigentlich Ostern macht, bewegen mich da einige andere Dinge. Zum einen wäre mal zu klären, ob da nicht eine Therapie hilfreich wäre, sollte es sich tatsächlich um eine Phobie handeln. Im oben verlinkten Spiegel-Online-Artikel klingt ja bereits an, daß es nicht nur in Hasensituationen schwierig zu sein scheint, mit der guten Frau klar zu kommen.

Der andere Punkt, der mir wirklich nicht in den Kopf will, ist die Klage. Was soll das? Was will sie damit erreichen? Und überhaupt, was ist denn das für eine Art, Konflikte zu lösen?
Zum einen macht die Klage in der Sache überhaupt keinen Sinn. Den Prozeß in Vechta nehmen sämtliche Medien wahr. Von der Aufmerksamkeit vor Ort gar nicht erst zu reden. Mit der Klage wird also eine breite Öffentlichkeit davon informiert, wie die Lehrerin auf Hasen reagiert. Verbieten will sie der Schülerin aber, über genau diese Reaktion zu berichten. Das wird ihr nicht schwer fallen, wenn es ja nun eh jeder weiß.
Mich erinnert das an den seltsamen Prozeß des Herrn Singer, der meinte, gegen eine von Schülern gestaltete Ausstellung in Reichenbach vorzugehen, wo sein Name als der Klarname des IM „Schubert“ genannt wird. Der Prozeß hatte nur einen einzigen Effekt: Nun weiß es wirklich jeder. Was vermutlich nicht passiert wäre, hätte er es bei der Nennung auf einer Tafel irgendwo innerhalb einer Ausstellung im Rathaus belassen. Dieses absurde Verhalten will mir nicht in den Kopf.
Für die Lehrerin hat dieser Prozeß nun die Folge, daß es geradezu egal ist, wo und wen sie in Zukunft unterrichten wird: Ihr Ruf eilt ihr voraus. Kontraproduktiver konnte sie gar nicht handeln.

Unabhängig von diesem Unsinn des Prozesses an sich stellt diese Klage eine umfangreiche pädagogische Bankrotterklärung dar. Selbst wenn sie unter einer solchen Phobie leidet, was noch zu klären wäre, die Psyche geht manchmal seltsame Wege und ich möchte nicht ausschließen, daß hinter ihrem Verhalten etwas ganz anderes steckt, sollte ihr jahrelanges Pädagogik-Studium ihr Methoden an die Hand gegeben haben, mit entsprechendem Schülerverhalten innerhalb der Schule umzugehen oder ihr aber zumindest ermöglichen, durch die unabdingbare Reflexion des eigenen Handelns (diese Reflexion ist Bestandteil des professionellen Verhaltens eines Lehrers, das lernt man schon im Grundstudium) zu erkennen, daß sie in ihrer momentanen Verfassung nicht in der Lage ist, ihren Beruf auszuüben.

Ich möchte damit nicht in Abrede stellen, daß es sehr schwer, geradezu unerträglich sein kann, wenn Schülerinnen und Schüler sich einen Spaß daraus machen, bekannte Schwächen des Lehrenden ausnutzen, um ihn oder sie bloßzustellen. Das ist es. Und solches Verhalten ist auch nicht einfach hinzunehmen.
Aber die eigenen Schüler zu verklagen, weil sie „Hase“ sagen, ist eine reine Selbstdisqualifikation.

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