Leipzig-Lübeck 2010 (6) – Einiges über die Elbe

Location: Bleckede (Tagesziel)
Kilometerstand: 114,43 km
Fahrzeit: 5:57:16
Tagesschnitt: 19,33 km/h
Reisezeit: 7:30 h

Viel gibt es vom zweiten Teil der heutigen Etappe nicht zu berichten. Zum einen, weil nicht viel passierte, außer daß ich weitere 60 km auf oder neben dem Deich der Elbe gefahren bin und zum anderen, weil ich auch wenig nach links und rechts geschaut habe.
Eine Sache ist mir aber doch aufgefallen. Kurz nach dem Beitrag heute Mittag verließ ich Mecklenburg-Vorpommern (durch das ich eh nur kurz gefahren bin, denn der Beginn lag kurz vor Dömitz, also es war eher ein Streifen, denn ein Durchfahren) und war seitdem in Niedersachsen. Nun mag es merkwürdig klingen, aber die Gegend sah dort tatsächlich anders aus. Permanent tauchten irgendwelche Drei-Häuser-Dörfer am Rand auf, die umzäunten Flächen nahmen sofort zu (was eine kleinteiligere Landwirtschaft nahelegt) und Wildtiere sah ich kaum noch (während ich vorher in Brandenburg mehrmals über den Deich hüpfenden Rehen, einmal sogar einem Storchenpaar den Vortritt lassen mußte). Mir fehlt die Kenntnis der hiesigen historischen Zusammenhänge (offenbar war die Gegend um Wehningen bis 1993 nicht zu Niedersachsen gehörig, so ganz schlau bin ich aus den Hinweisen zum Deichbau nicht geworden), aber kleinteilige Landwirtschaft bewirkt ein anderes Landschaftsbild – was zudem den Radreisenden entgegenkommt, denn das ist doch erheblich abwechslungsreicher als die endlosen Wiesen und Felder in Brandenburg – und bringt den psychologischen Effekt mit sich, daß man sich von Dörfchen zu Dörfchen durchhangeln kann. Dies gleicht dann auch aus, daß im Gegensatz zu Brandenburg es in Niedersachsen bisher keinerlei Kilometerhinweise zu den nächsten Zielen auf dem Radweg gab. Habe ich sehr vermißt. Es war ein tolles Gefühl, kurz vor Dömitz das Schild mit dem Hinweis auf die 51 km nach Wittenberge zu sehen. 😉
Ein paar Kleinigkeiten gäbe es aber doch noch. Nach Kilometer 80 frischte der Wind wieder erheblich auf (behaupte ich) oder meine zunehmend erlahmenden Kräfte suggerierten mir das (was ich bezweifle). Wenige Kilometer vor Neu Bleckede macht die Elbe wieder einer ihrer enervierenden Schleifen (ich habe mir heute mehrfach gewünscht, dieser Fluß möge doch bitte einfach geradeaus fließen – das kann doch so schwer nicht sein), an deren Ende ich aber Radfahrer sah. Und da während der vorhergehenden Beiträge ja bereits einige Begriffe des Radsportjargons geklärt wurden, heute mal den nächsten. Was nun geschah, nennt man in der Fachsprache: Ansaugen. Ich legte also eine schmucke 25er-Temporunde ein und noch vor Ende der Kurve hatte ich die beiden Fahrerinnen in Identifizierungsgröße (kannte sie aber nicht). Das Problem dabei: Gerade als Solist kann es passieren, daß man die eigenen Kräfte überschätzt und vergißt, daß das Erreichen der vor einem fahrenden Gruppe keineswegs das Ende des Rennens ist. 😉
Hin wie her, nach 106 Tageskilometern erreichte ich die Fähre bei Neu Bleckede, noch in der Annahme, dort eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Dies stellte sich jedoch als Irrtum heraus, jedenfalls gab es nicht den geringsten Hinweis. Da bisher in jedem Dörfchen ein Werbeschild gut sichtbar aufgestellt war, vermutete ich ganz stark, daß es hier nichts zu holen gab. Falls doch, wissen diejenigen jetzt, warum ich nicht da war. Nach Hinzuziehen das Radreiseführers kam ich zu dem Schluß, morgen eh linkselbisch weiter zufahren und nutzte also die Bleckeder Fähre, womit auch dieser Tag nicht ohne Elbüberquerung verging.
Nach dem ich heute also die Elbe ausgiebig gesehen habe und im Zusammenhang mit den bereits in den vergangenen Tagen gewonnenen Beobachtungen bin ich inzwischen zu folgender Hypothese gelangt: Die Elbe besteht mährschendeils aus Wasser.
Drüben angekommen stellte ich fest, daß meine vorher ausgesuchte Pension auch auf dieser Seite ist, leider war die jedoch schon belegt. Woraufhin ich mich entschloß, einfach weiter in Richtung Lauenburg zu fahren und eine der dann sicher auftauchenden Übernachtungsmöglichkeiten zu nutzen. Beim Blick ins Kartenmaterial fiel mir dann die Anzeige einer Privatzimmervermietung auf. Die hat zwar eine Bleckeder Adresse, aber Bleckeder Moor liegt dann doch sehr j.w.d. Ich hoffe aber, daß zumindest ein Teil der zusätzlichen Kilometer ich morgen sparen kann, denn im Prinzip liegt der Hof auf dem Weg. Schau mer mal.

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