Der Herr der Wolken

Der Herr der Flammen ist ja bereits hinlänglich bekannt.

Wem aber gehorchen die Wolken?

Leicht angeschlagen stand mir heute nicht der Sinn nach Verlassen des Hauses, leider gab es aber einiges zu erledigen. Also entwarf ich einen kurzen Plan, wie dies möglichst schnell hinter mich zu bringen sei: In die Stadt fahren, Geld für Fahrscheine abheben, gegenüber beim Drogeriemarkt Waschmittel kaufen, anschließend am nahegelegenen Automaten die Fahrscheine erwerben, wieder Richtung Heimat, dort einen kleinen Schlenker, um noch Brot und Zucker zu holen und fertig. Alles in allem keine halbe Stunde. So der Plan.

Aufgepimpt mit ausreichend ätherischen Ölen verließ ich frohen Mutes und bei strahlendem Sonnenschein samt fast wolkenfreiem Himmel das Haus, schloß das Fahrrad ab und fuhr los.
Der Geldautomat sah sich außer Stande, die gewünschte Geldmenge auszuzahlen, was leichten Unmut hervorrief, aber gut. Der Waschmittelverkauf verlief problemlos und auf dem Weg zum Automaten zierten nur einige Wolken den Himmel.
Warum dieser sich jedoch nicht in der Lage sah, mich einen Gesamtbetrag von 19,80 € nicht mit einem ZwanzigEuroSchein bezahlen zu lassen, erschloß sich mir nicht (Ich hätte aber in 5-Cent-Stücken, gerne auch mit 2-Euro-Münzen oder der Geldkarte zahlen können – aber mal ehrlich, hat auf dem Chip irgendjemand Geld drauf, der keine Kopierautomaten oder Mensen benutzt?). Na fein.
Aber auf dem Weg nach Hause liegen ja noch zwei Automaten, kein Problem, der Plan wird halten. Inzwischen zeigten sich etliche dunkle Wolken am Horizont.
Leider scheiterte auch mein dritter Versuch, Fahrscheine zu erwerben (nachdem ich zwischendurch noch einem jungen Burschen mit supercoolem Rad demonstierte, daß Geschwindigkeit in erster Linie eine Frage der Kraftübertragung und weniger der Trittfrequenz ist), so daß ich eine Regelmäßigkeit unterstellen mußte, auf die ich mich nicht ausreichend hingewiesen fühlte – und unter einem wolkenverhangenen grauen Himmel machte ich mich auf den Weg zum Mobilitätszentrum (ha-ha), um dort freundlich, aber bestimmt auf meinen Zorn hinzuweisen.
nach nur wenigen Metern mußte ich absteigen, um ein Auto zu umgehen, das den kompletten Rad- und Fußweg verstellte („Wir müssen ja wohl auch mal ausladen.“ – Und nein, ich behielt nicht die Fassung.) und ein rechtsabbiegendes Auto meine vorausschauende Fahrweise und die Funktionstüchtigkeit meiner Bremsen testete (Liebe Autofahrer: Schulterblick, bitte.) – Regen und Donner waren nun nicht mehr auszuschließen.
Selbstverständlich war das „Mobilität“szentrum hoffnungslos überfüllt – ich sage nur: Monatsende. Um nicht unnötig zu bereuen, keine automatischen Waffen bei mir zu haben, entschloß ich mich zu einem letzten Versuch. Und – oh Wunder: Der Automat vor der Tür akzeptierte dann doch Geldscheine. Als dann anschließend auch noch jemand durchaus höflich Beratungsbedarf anmeldete, wurde ich augenblicklich wieder ruhig und gelassen.*
Woraufhin ich, wenn auch mit ca. 100% überzogenem Zeitplan, unter blauem Himmel mit nur wenigen Wolken die letzten Einkäufe erledigte und nach Hause fuhr.

Ich denke, damit sollte einwandsfrei bewiesen sein, daß die Wolken einzig und allein meiner Stimmungslage folgen.
Andere Erklärungen weise ich hiermit entschieden als höchst unwahrscheinlich zurück und bitte stattdessen um angemessene Huldigung.

*Berufskrankheit. Funktioniert im Prinzip immer. Ist aber auch blöd, wenn man gerade einen Zorn so richtig ausleben will, dann plötzlich jemand nach einem Buchtipp fragt und die ganze schöne Wut verraucht.

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