Dresden

Ich wollte ursprünglich nichts zu Dresden schreiben, war ich doch nicht selbst dabei.
Aber die Presseschau eben auf mdr.info hat mich dermaßen geärgert, daß ich doch ein paar Worte verlieren muss.
Ja, es war gut und richtig, daß es hochoffizielle Veranstaltungen gab, an denen sich Menschen beteiligen konnten, denen aus subjektiv nachvollziehbaren Gründen die Sache in der Neustadt zu heiß war.
Ja, es war gut und richtig, daß endlich auch Spitzenpolitiker der CDU in einer Reihe mit PDS-Politikern standen.
ABER:
Den Marsch haben andere verhindert.
Liest man heutige Tageszeitungen, erhält man den Eindruck, als seien die Nazis durch magische Kräfte von einer Menschenkette auf der anderen Elbseite aufgehalten worden.
Das ist einfach nicht richtig.
Die Nazis hätte das genauso wenig gekümmert, wie sie Kerzen und BitteBitte sonst auch nicht kümmerten.
NEIN:
Verhindert haben diesen Marsch tausende mutige Menschen, die sich den Nazis in den Weg gestellt haben. Ich weiß nicht, wesen grenzdebile Idee es war, die Nazis in die Neustadt zu schicken und bin heilfroh, daß genug Menschen da waren, um sie am Bahnhof festzuhalten. Was bei einem tatsächlichen Marsch durch dieses Stadtviertel, um das sich, wie classless kulla schreibt, zahllose ihrer Gewaltphantasien drehen passiert wäre, mag ich mir nicht ausmalen.
Kurz:
Verhindert haben erstmalig seit 12 Jahren diesen Aufmarsch diejenigen, denen vorher Steine verschiedenster Art in den Weg gelegt wurden. Und dafür sollten wir dankbar sein.

Zum Abschluß noch ein paar Hinweise zum Weiterlesen:

Sehr ergiebig ist die Zusammenfassung und Linksammlung bei Spreeblick.

Dann die immer zu empfehlende Julia Seeliger mit dem Rückblick auf einige Live-Ticker. Und mit einem Appell an Frau Orosz.

Und ergänzend der Bericht von classless Kulla, dessen Schlußfolgerungen und Positionen ich nicht vollständig teilen kann – aber auch diese Position gehört dazu, will ich mich unglaubwürdig machen. 😉

Der Hausheilige hat zu dieser Problematik bekanntlich einiges zu sagen und ist hier auch schon ausführlich zu Wort gekommen. Heute mal ein Erfahrungsbericht:

Aber Deutsche, die so auf Deutschen herumhacken, wie das die Nazis in die deutsche Politik eingeführt haben (denn sie haben es getan und nicht die Kommunisten) so etwas hats nicht gegeben.
In Wiesbaden bin ich nach der Vorlesung an den Nazis vorbeigefahren; sie standen da und stießen ihren Original-Schlachtruf aus: »Huuu !« und sie warfen mit Steinen und alten Brocken und waren überhaupt furchtbar mutig. Ich war nämlich einer und sie waren eine Herde. Ich sah in ihre Augen: verhetzt, verdummt, verbrüllt . . . und keine Idee dahinter.
Jedem Pazifisten die Ehre abschneiden; hinter den Republikanern her sein wie die Wölfe; das politische Leben vergiften; Minister mit Personalstunk bekämpfen; Straßen durchbrüllen und Fensterscheiben zerschmeißen; nach einem mißglückten Putsch von nichts wissen und alles abschwören; vor Gericht kneifen . . . wie nennt man solche Leute?
Was die deutschen Frontsoldaten angeht: sie sind keine Schweine gewesen.

aus: Wer hat die Frontsoldaten »Schweine« genannt –? in: Werke und Briefe: 1930. Tucholsky: Werke, Briefe, Materialien, S. 7332 (vgl. Tucholsky-GW Bd. 8, S. 64) (c) Rowohlt Verlag http://www.digitale-bibliothek.de/band15.htm

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