Das Buch zum Sonntag (35)

Für die morgen beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre:

William Golding: Herr der Fliegen

Demokratie müsse täglich erkämpft und gelebt werden, heißt es in Sonntagsreden diverser Politiker. Ich bin mir nicht sicher, ob damit immer mehr gemeint ist als die Forderung nach Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes.
Im Prinzip richtig ist der Satz aber trotzdem.
William Goldings „Herr der Fliegen“ ist eine Parabel auf die Zerbrechlichkeit des kulturellen Gestus, den wir uns zugelegt haben. Eine Parabel auf unsere kulturelle Arroganz, die uns glauben läßt, wir hier, wir hätten nun aber wirklich ein für alle Mal herausgefunden, wie das mit dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest so läuft.
„Herr der Fliegen“, publiziert 1954, ist geprägt von den Erfahrungen des zweiten Weltkriegs – ein Ereignis im Übrigen, das uns Demut lehren sollte, denn welch größere Bankrotterklärung des westlichen Lebensmodells gäbe es wohl sonst?
In seinem Roman läßt Golding eine Gruppe englischer Schüler nach einem Flugzeugabsturz auf einer unbewohnten Insel stranden. Auf sich allein gestellt, beginnen sie nun, ihr Leben dort zu organisieren. Und zwar so, wie sie es kennen gelernt haben und wie es vernünftig zu sein scheint:

Er hob das Muschelhorn hoch. „Ich glaub, wir brauchen einen Anführer, dann geht das besser.“
„Einen Anführer! Ja, einen Anführer!“
„Das mache ich am besten“, sagte jack mit ganz selbstverständlicher Anmaßung, „ich bin Kapitelsänger und Klassensenior. Und ich kann das hohe C singen.“
Erneutes Stimmengewirr.
„Also gut“, sagte Jack, „ich -“
Er zögerte. Der Dunkelhaarige, Roger, gab endlich seine Zurückhaltung auf. „Am besten, wir stimmen ab.“
„Ja!“
„Wir wählen unsern Anführer!“
„Au ja! Los, wir stimmen ab!“
Eine Wahl, das war wie ein Spielzeug, fast so unterhaltend wie das Muschelhorn. Jack versuchte aufzubegehren, aber die Versammlung leitete jetzt nicht mehr der allgemeine Wunsch nach einem Anführer, man wollte Ralph einfach als Anführer ausrufen. Keiner hätte dafür einen Grund anzugeben vermocht; Intelligenz hatte bisher nur Piggy bewiesen, und die offensichtliche Führerpersönlichkeit war Jack. Aber wie Ralph so dasaß, umgab ihn etwas Ruhiges, das ihn aus den anderen heraushob; weiter sprach für ihn sein anziehendes Äußere; und hinter ihm stand, zwar unausgesprochen, aber um so wirksamer, die Zauberkraft des Muschelhorns. Er hatte geblasen, er hatte auf der Plattform auf sie gewartet mit dem gebrechlichen Ding auf den Knien, er war etwas ‚Besonderes‘.

(S. 28)*

Und nachdem klar war, daß es sich um eine Insel handelte und auf kurze Sicht wohl niemand käme, sie zu holen:

„Erwachsene sind keine da. Wir müssen uns also selbst um uns kümmern.“
Ein Summen ging durch die Versammlung und erstarb wieder.
„Und noch was: Es geht nicht, daß alle gleichzeitig reden. Wer was sagen will, hebt die Hand, wie in der Schule.“
Er hielt das Muschelhorn vors Gesicht und sah über das Mundstück hinweg.
„Dann kriegt er von mir das Muschelhorn.“
„Muschelhorn?“
„So heißt das Ding hier. Der Nächste kriegt jetzt die Muschel. Er kann sie halten, solang er spricht.“
„Aber -“
„Aber guck mal -“
„Und keiner darf ihn unterbrechen. Nur ich.“

(S. 41)*

Das Muschelhorn ist ein wichtiges Symbol im Roman, der gerne mit Mythologisierungen arbeitet. Das Nobelpreiskommitte meinte 1983 bei der Verleihung: ?für seine Romane, die mit der Anschaulichkeit realistischer Erzählkunst und der vieldeutigen Allgemeingültigkeit des Mythos menschliche Bedingungen in der heutigen Welt beleuchten?
That´s it.
Genau das ist es.
Doch ich kann über dieses Buch nicht sprechen, ohne eine Schlüsselstelle zu zitieren:

Ralph hat völlig recht. Wir brauchen mehr Ordnung und müssen sie einhalten. Schließlich sind wir keine Wilden. Wir sind Engländer, und die Engländer machen immer alles am besten. Wir müssen also immer das Richtige tun.

(S. 52)*

Soweit Jack, Anführer der Chorknaben, die auf der Insel zu Jägern werden.
Die Gültigkeit dieses Satzes wird auf eine harte Probe gestellt, Golding zeichnet hier ein präzises Bild davon, was Menschen eigentlich umtreibt, wenn sie versuchen, eine Gesellschaft aufzubauen. Welche Konflikte entstehen, wie sie gelöst werden und wo die Stimme der Vernunft bleibt, was mit Schwächeren geschieht – und er schont den Lesenden nicht.
Es kann sehr schnell geschehen, daß man beim Lesen das Alter der Protagonisten (ca. 6-12) vergißt, was das Erschrecken erhöht, wenn es dann wieder klar wird.
„Herr der Fliegen“ ist kein Epos, es ist ein eher kurzer Roman, aber sehr dicht geschrieben, völlig ohne Moralisierung, was die Demontage aber noch deutlicher macht. Ich habe mit den Protagonisten gelitten und gejubelt, gehofft und gestaunt – und war tief erschüttert, als ich das Buch nach der letzten Seite weglegte.
Meine Erstlektüre ist nun ca. 15 Jahre her. Seitdem habe ich das schmale Buch immer wieder zur Hand genommen – und es bleibt eine starke Parabel auf das dünne Band, das unsere Welt zusammenhält.

Und nun noch der übliche Verweis auf die

lieferbaren Ausgaben.

zitiert nach: Golding, William: Herr der Fliegen. Volk und Welt. Berlin 1985 (DNB)

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Das Buch zum Sonntag (35)

Der Herr der Wolken

Der Herr der Flammen ist ja bereits hinlänglich bekannt.

Wem aber gehorchen die Wolken?

Leicht angeschlagen stand mir heute nicht der Sinn nach Verlassen des Hauses, leider gab es aber einiges zu erledigen. Also entwarf ich einen kurzen Plan, wie dies möglichst schnell hinter mich zu bringen sei: In die Stadt fahren, Geld für Fahrscheine abheben, gegenüber beim Drogeriemarkt Waschmittel kaufen, anschließend am nahegelegenen Automaten die Fahrscheine erwerben, wieder Richtung Heimat, dort einen kleinen Schlenker, um noch Brot und Zucker zu holen und fertig. Alles in allem keine halbe Stunde. So der Plan.

Aufgepimpt mit ausreichend ätherischen Ölen verließ ich frohen Mutes und bei strahlendem Sonnenschein samt fast wolkenfreiem Himmel das Haus, schloß das Fahrrad ab und fuhr los.
Der Geldautomat sah sich außer Stande, die gewünschte Geldmenge auszuzahlen, was leichten Unmut hervorrief, aber gut. Der Waschmittelverkauf verlief problemlos und auf dem Weg zum Automaten zierten nur einige Wolken den Himmel.
Warum dieser sich jedoch nicht in der Lage sah, mich einen Gesamtbetrag von 19,80 € nicht mit einem ZwanzigEuroSchein bezahlen zu lassen, erschloß sich mir nicht (Ich hätte aber in 5-Cent-Stücken, gerne auch mit 2-Euro-Münzen oder der Geldkarte zahlen können – aber mal ehrlich, hat auf dem Chip irgendjemand Geld drauf, der keine Kopierautomaten oder Mensen benutzt?). Na fein.
Aber auf dem Weg nach Hause liegen ja noch zwei Automaten, kein Problem, der Plan wird halten. Inzwischen zeigten sich etliche dunkle Wolken am Horizont.
Leider scheiterte auch mein dritter Versuch, Fahrscheine zu erwerben (nachdem ich zwischendurch noch einem jungen Burschen mit supercoolem Rad demonstierte, daß Geschwindigkeit in erster Linie eine Frage der Kraftübertragung und weniger der Trittfrequenz ist), so daß ich eine Regelmäßigkeit unterstellen mußte, auf die ich mich nicht ausreichend hingewiesen fühlte – und unter einem wolkenverhangenen grauen Himmel machte ich mich auf den Weg zum Mobilitätszentrum (ha-ha), um dort freundlich, aber bestimmt auf meinen Zorn hinzuweisen.
nach nur wenigen Metern mußte ich absteigen, um ein Auto zu umgehen, das den kompletten Rad- und Fußweg verstellte („Wir müssen ja wohl auch mal ausladen.“ – Und nein, ich behielt nicht die Fassung.) und ein rechtsabbiegendes Auto meine vorausschauende Fahrweise und die Funktionstüchtigkeit meiner Bremsen testete (Liebe Autofahrer: Schulterblick, bitte.) – Regen und Donner waren nun nicht mehr auszuschließen.
Selbstverständlich war das „Mobilität“szentrum hoffnungslos überfüllt – ich sage nur: Monatsende. Um nicht unnötig zu bereuen, keine automatischen Waffen bei mir zu haben, entschloß ich mich zu einem letzten Versuch. Und – oh Wunder: Der Automat vor der Tür akzeptierte dann doch Geldscheine. Als dann anschließend auch noch jemand durchaus höflich Beratungsbedarf anmeldete, wurde ich augenblicklich wieder ruhig und gelassen.*
Woraufhin ich, wenn auch mit ca. 100% überzogenem Zeitplan, unter blauem Himmel mit nur wenigen Wolken die letzten Einkäufe erledigte und nach Hause fuhr.

Ich denke, damit sollte einwandsfrei bewiesen sein, daß die Wolken einzig und allein meiner Stimmungslage folgen.
Andere Erklärungen weise ich hiermit entschieden als höchst unwahrscheinlich zurück und bitte stattdessen um angemessene Huldigung.

*Berufskrankheit. Funktioniert im Prinzip immer. Ist aber auch blöd, wenn man gerade einen Zorn so richtig ausleben will, dann plötzlich jemand nach einem Buchtipp fragt und die ganze schöne Wut verraucht.

Der Herr der Wolken

De Amore.

Zum intellektuellen Duktus gehört unbedingt das sich als Bescheidenheit tarnende Selbstlob.
Schreibt ein Autor also einen „Versuch über die zweckmäßige Einrichtung des Gemeinwesens“, so meint er eigentlich: „Ich habe den Stein der Weisen gefunden und lasse mich nun herab, euch mal zu erklären, wie das mit dem Staate zu laufen hat, damit das funktioniert. Aber auf mich hört ja keiner.“
Zu großer Meisterschaft brachte dies übrigens olle Cicero, dessen Reden derart von Egomanie strotzen, daß es ein Wunder bleibt, wie Rom ohne ihn nur je existieren konnte. Allerdings verwendet er derart geschickte rhetorische Kniffe, daß es schon geübte Zuhörer braucht, um nicht von ihm eingenommen zu sein.*
Den Titel einer eigenen Publikation also defensiv zu wählen, in dem man Begriffe wie „Versuch über…“, „Einige Gedanken über…“, „Überlegungen zu…“ oder eben einfach lateinisch „De …“ verwendet, soll also die Bescheidenheit des Autors gegenüber seinem Gegenstand zum Ausdruck bringen und ihn natürlich vor böser Kritik schützen (warn ja nur so ein paar Gedanken). Das bedeutet aber eben nicht zwangsläufig, daß der Autor auch tatsächlich seinen Beitrag zur Geistesgeschichte so niedrig einschätzt. 😉
Wie in diesem Lichte also Header des Blogs und Titel des heutigen Beitrages einzuschätzen sind, überlasse ich der geneigten Leserschaft.
„De Amore.“ weiterlesen

De Amore.

Das Buch zum Sonntag (34)

Für die heute beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre:

Franz Kafka: Der Proceß

Was in meinen Augen für viele sogenannte Klassiker gilt, die das Pech hatten, Schullektüre zu werden, gilt besonders für Kafka.
Vergeßt literarwissenschaftliche Diskurse, schenkt euch gelahrte Interpretationen: „Zurück zum Lesen!“ lautet die Devise.
Fragen nach literaturhistorischer Bedeutung, intertextuellen Bezügen oder konstruktivem Rahmen sind gewiß nicht unwichtig und ich möchte auch intellektuelles Vergnügen bei der Bearbeitung solcher Themenkomplexe nicht verhehlen, doch ist es wirklich das, was Lesen zum Vergnügen macht? Wohl kaum.
Nun also Kafka.
Den „Proceß“ habe ich erst recht spät gelesen, so mit Mitte Zwanzig und die Lektüre wirkt noch immer nach. Erzählt wird die Geschichte von Josef K., der eines Tages ohne Vorwarnung und ohne Begründung verhaftet wird.
Diese Verhaftung hat zunächst keine offensichtlichen Folgen, er bekommt Termine, zu denen er erscheinen muß, kann aber ansonsten sein Leben weiterleben.
Was nun folgt, ist die großartige Beschreibung eines Menschen, der sich gezeichnet fühlt, unsicher im Umgang mit der Umwelt wird, beginnt, Fehler zu machen – kurz: der beginnt, die Kontrolle über sein Leben zu verlieren.
Die Beschreibung des Gefühls der permanenten Überwachung, die für Josef K. mit seiner Verhaftung beginnt, die unbestimmte, nicht faßbare, aber doch konkrete Bedrohung, die mit seinem Zustand einhergeht, das finde ich sensationell.
Und im Übrigen hochaktuell in einer Zeit, in der die Bürger dieses Staates unter Generalverdacht gestellt werden, in denen jede ihrer Kommunkationshandlungen aufgezeichnet und gespeichert werden, in der erfaßt wird, wann sie krank werden und wann sie gewagt haben zu streiken, in der festgelegt wird, welche Inhalte sie wahrnehmen dürfen und welche nicht.
Es könnte dem einem oder anderen, der die Unruhe nicht versteht, die weite Teile der Bevölkerung angesichts diese zunehmenden Überwachung erfaßt hat, helfen, mal dieses Buch zu lesen.
Schauen wir gleich mal an den Anfang des Buches, Josef K. erwacht und stellt fest, daß etwas anders ist: Das Frühstück, sonst pünktlich um acht da, kam nicht – stattdessen erscheint auf sein Läuten hin ein ihm unbekannter Mann:

Er war schlank und doch fest gebaut, er trug ein anliegendes schwarzes Kleid, das ähnlich den Reiseanzügen mit verschiedenen Falten, Taschen, Schnallen, Knöpfen und einem Gürtel versehen war und infolgedessen , ohne daß man sich darüber klar wurde, wozu es dienen sollte, besonders praktisch erschien. „Wer sind Sie?“ fragte K. und daß gleich halb aufrecht im Bett. Der Mann aber ging über die Frage hinweg, als müsse man seine Erscheinung hinnehmen und sagte bloß seinerseits: „Sie haben geläutet?“ „Anna soll mir das Frühstück bringen“, sagte K. und versuchte zunächst stillschweigend durch Aufmerksamkeit und Überlegung festzustellen, wer der Mann eigentlich war. Aber dieser setzte sich nicht allzulange seinen Blicken aus, sondern wandte sich zur Tür, die er ein wenig öffnete, um jemandem der offenbar knapp hinter der Tür stand, zu sagen: „Er will, daß Anna ihm das Frühstück bringt.“ Ein kleines Gelächter im Nebenzimmer folgte, es war nach dem Klang nicht sicher, ob nicht mehrere Personen daran beteiligt waren. Trotzdem* der fremde Mann dadurch nichts erfahren haben konnte, was er nicht schon früher gewußt hätte, sagte er nun doch zu K. im Tone einer Meldung: „Es ist unmöglich.“ „Das wäre neu“, sagte K., sprang aus dem Bett und zog rasch seine Hosen an. „Ich will doch sehn, was für Leute im Nebenzimmer sind und wie Frau Grubach diese Störung mir gegenüber verantworten wird.“ Es fiel ihm zwar gleich ein, daß er das nicht hätte laut sagen müssen und daß er dadurch gewissermaßen ein Beaufsichtigungsrecht des Fremden anerkannte, aber es schien ihm jetzt nicht wichtig.

(S. 9f.)**

Es folgt eine Szene, die derart dicht und gelungen ist, daß es mir nahezu unmöglich scheint, sie überzeugend einzufangen. Da mir diese Einschätzung aber auf den ganzen Roman zuzutreffen scheint, versuche ich es mal mit ein paar kurzen Ausrissen:

„Nein“, sagte der Mann beim Fenster, warf das Buch auf ein Tischchen und stand auf. „Sie dürfen nicht weggehen, sie sind ja gefangen.“ „Es sieht so aus“, sagte K. „Und warum denn?“ fragte er dann. „Wir sind nicht dazu bestellt, Ihnen das zu sagen. Gehn Sie in Ihr Zimmer und warten Sie. Das Verfahren ist nun einmal eingeleitet und Sie werden alles zur richtigen Zeit erfahren. Ich gehe über meinen Auftrag hinaus, wenn ich Ihnen so freundschaftlich zurede. Aber ich hoffe, es hört es niemand sonst als Franz und der ist selbst gegen alle Vorschrift freundlich zu Ihnen. Wenn Sie auch weiterhin so viel Glück haben, wie bei der Bestimmung Ihrer Wächter, können Sie zuversichtlich sein.“ K. wollte sich setzen, aber nun sah er, daß im ganzen Zimmer keine Sitzgelegenheit war, außer dem Sessel beim Fenster. „Sie werden nich einsehn, wie wahr das alles ist.“, sagte Franz und gieng gleichzeitig mit dem anderen Mann auf ihn zu.[…]
Was waren denn das für Menschen? Wovon sprachen sie? Welcher Behörde gehörten sie an? K. lebte doch in einem Rechtsstaat, überall herrschte Friede, alle Gesetze bestanden aufrecht, wer wagte ihn in seiner Wohnung zu überfallen?
Er neigte stets dazu, alles möglichst leicht zu nehmen, das Schlimmste erst beim Eintritt des Schlimmsten zu glauben, keine Vorsorge für die Zukunft zu treffen, selbst wenn alles drohte. Hier aber erschien ihm das nicht richtig […]
„Sie sind doch verhaftet.“ „Wie kann ich denn verhaftet sein? Und gar auf diese Weise?“ „Nun fangen Sie also schon wieder an“, sagte der Wächter und tauchte ein Butterbrot ins Honigfäßchen. „Solche Fragen beantworten wir nicht.“ „Sie werden Sie beantworten müssen“, sagte K. „Hier sind meine Legitimationspapiere, zeigen Sie mir jetzt die Ihrigen und vor allem den Verhaftbefehl.“
„Du lieber Himmel!“ sagte der Wächter

(S. 11ff.)**

Und jetzt: Aufpassen!

„Wir sind niedrige Angestellte, die sich in einem Legitimationspapier kaum auskennen und die mit Ihrer Sache nichts anderes zu tun haben, als daß sie zehn Stunden täglich bei Ihnen Wache halten und dafür bezahlt werden. Das ist alles, was wir sind, trotzdem aber sind wir fähig einzusehen, daß die hohen Behörden, in deren Dienst wir stehn, ehe sie eine solche Verhaftung verfügen, sich sehr genau über die Gründe der Verhaftung und die Person des Verhafteten unterrichten. Es gibt darin keinen Irrtum. Unsere Behörde, soweit ich sie kenne, und ich kenne nur die niedrigsten Grade,m sucht doch nicht etwa die Schuld in der Bevölkerung, sondern wird wie es im Gesetz heißt von der Schuld angezogen und muß uns Wächter ausschicken. Das ist Gesetz. Wo gäbe es da einen Irrtum?“ „Dieses Gesetz kenne ich nicht“, sagte K. „Desto schlimmer für sie“, sagte der Wächter.

(S. 14)**

Und es wird Josef K. noch einige Male ähnlich ergehen. Niemand scheint zuständig, keiner in der Lage, ihm zu sagen, wessen er beschuldigt wird – und doch muß er sich verteidigen, muß er sich korrekt, ja sogar besser verhalten. Kurz: Er muß ein Spiel spielen, dessen Regeln er nicht ansatzweise durchschaut. Die Assoziationen mit Erlebnissen aus dem eigenen Leben überlasse ich hier mal der geneigten Leserschaft.
Ich sagte bereits an anderer Stelle, daß ich ein besonderes Leseinteresse für zerbrechende, selbstzerstörerische Figuren habe. Und wie Josef K. hier Stück für Stück mürbe gemacht wird, der Selbstzweifel Besitz von ihm ergreift, wie eine durch und durch ihm gegenüber Wohlwollen bekundende Maschinerie (Seien Sie doch vernünftig, Wir meinen es nur gut mit Ihnen, Es ist nur zu Ihrem Besten) unerbittlich weiterläuft – und das alles in einem ruhigen Tonfall erzählt, der den Lesenden geradezu ratlos macht. Ich finde das derart gut, mir fehlen die Worte.
„Der Proceß“ ist kein schönes Buch, nichts, was man an einem heimeligen Winterabend am Kamin liest. Aber die Winterabende werden ja auch allmählich knapp, es wird Zeit, mal wieder etwas aufwühlendes zu lesen. Nur wenige Bücher meiner Lesebiographie haben einen derart starken Eindruck hinterlassen wie dieses Werk Kafkas.

Und da mir die Worte fehlen, dieses Werk angemessen zu würdigen, überlasse ich das dem Hausheiligen:

Wenn ich das unheimlichste und stärkste Buch der letzten Jahre: Franz Kafkas ›Prozeߋ (im Verlag Die Schmiede zu Berlin) aus der Hand lege, so kann ich mir nur schwer über die Ursachen Erschütterung Rechenschaft ablegen. Wer spricht? Was istdas?

aus: Der Prozeß. in: Werke und Briefe: 1926, S. 160. Digitale Bibliothek Band 15: Tucholsky, S. 4242 (vgl. Tucholsky-GW Bd. 4, S. 370) (c)Rowohlt Verlag

So der Beginn seiner mehrseitigen Rezension, die folgendermaßen endet:

So etwas ist es. Ein Gott formt eine Welt um, setzt sie neu zusammen, ein Herz steht am Himmel und scheint nicht, sondern klopft; ein Fetisch wandelt, eine Apparatur wird lebendig, nur, weil sie da ist, die Frage Warum? ist so töricht, beinah so töricht wie in der realen Welt.
Deren Teile sind da – aber sie sind so gesehen, wie der Patient kurz vor der Operation die Instrumente des Arztes sieht: ganz scharf, überdeutlich, durchaus materiell – aber hinter den blitzenden Stücken ist noch etwas andres, die Angst brüllt der Materie in alle Poren, erbarmungslos steht das Operationsbett, hab doch Mitleid! sagt der Kranke, auch du! Das Bett ist so fremd, aber es ist doch im Bunde.
Ein solcher Wille begründet Sekten und Religionen – Kafka hat Bücher geschrieben, einige wenige, unerreichbare, niemals auszulesende Bücher. Hätte sich der Schöpfer anders besonnen, und wäre dieser in Asien geboren: Millionen klammerten sich an seine Worte und grübelten über sie, ihr Leben lang.
Wir dürfen lesen, staunen, danken.

aus: Der Prozeß. in: Werke und Briefe: 1926, S. 168. Digitale Bibliothek Band 15: Tucholsky, S. 4250 (vgl. Tucholsky-GW Bd. 4, S. 374) (c)Rowohlt Verlag

Natürlich soll auch heute nicht der Verweis auf die

lieferbaren Ausgaben

nicht fehlen.

*Ist das mein verkorkstes Stilempfinden oder gehört da nicht doch besser ein „obwohl“ hin?
**zitiert nach: Kafka: Der Proceß. S. Fischer Frankfurt/Main, 2006 (auf Textgrundlage der Kritischen Ausgabe)

Das Buch zum Sonntag (34)

Ursula, hilf!

Vor kurzem erschien bei C.H. Beck ein höchst interessantes Buch, in dem mittelalterliche Bittbriefe an den Papst publiziert wurden. Hinter diesen Briefen steckte ein ganz ähnliches Denkmuster wie in vergleichbaren Gesuchen an weltliche Herrscher:
Der gute König entscheidet und greift ein, wenn sonst auf Erden keine Gerechtigkeit zu erwarten ist. Wenn sonst niemand mehr hilft: Die höchste verfüpgbare Instanz muß es richten, an ihre unbestechliche und über jeden Zweifel erhabene Gerechtigkeit muß appelliert werden. Und vor allem: Eben diese Instanz hat auch noch die allumfassende Macht, diese Gerechtigkeit auch durchzusetzen.
Das ist ein ganz wesentliches Element der mittelalterlichen Welt, denn der gute und gerechte Herrscher ist ein entscheidendes Legitmitationskriterium der Monarchie (wie überhaupt Herrschaft ja immer nur akzeptiert ist, wenn sie als gut und gerecht erscheint, wohlgemerkt: erscheint. Grundlegend dazu: Machiavelli: Der Fürst)

Via Spreeblick stieß ich nun auf folgenden, höchst lesenswerten offenen Brief, den ich für ein erschütterndes Dokument halte:

Jörg Kahle: Offener Brief an Frau von der Leyen und Frau Schröder

Ein weiser Herrscher, der sich den Ruf der Gerechtigkeit erhalten wollte, tat folgendes: Hatte ein Fall eine ausreichende Dramatik, versprach also eine für den ja meist armen Bittsteller günstige Entscheidung ausreichende Publizität, so entschied der Herrscher für ihn.
Das hatte den wunderbaren Effekt, daß überall natürlich ein Loblied darauf gesungen wurde, wie unerhört gerechtigkeitsliebend der Herrscher war, gleichzeitig aber jegliches Nachdenken über tieferliegende, systemische Ursachen gar nicht erst aufkommt. Ein spektakuläres Einschreiten in einem einzigen Fall – alle jubeln und die Welt ist wieder in Ordnung, der potentielle Umstürzler ruhig gestellt.
Richtig dosiert bedeutete dies eine ausgezeichnete Methode, um den Eindruck zu erwecken, am System selbst liege es nicht, es gibt immer nur ein paar einzelne Dinge, die korrigiert werden müssten.
Oder, wie Frau Merkel gestern sagte, „das, was fehlerhaft war, zu bereinigen und zu verändern.“

Ab jetzt werden Wetten angenommen, wie das Haus von der Leyen wohl reagieren wird.

Wir sind keinen Schritt weitergekommen seit 1250 – die Menschen schreiben (wieder) Bittbriefe an die Herrschaft, weil sie keinen anderen Ausweg mehr kennen. Und das finde ich erschütternd.

Ursula, hilf!

Dresden

Ich wollte ursprünglich nichts zu Dresden schreiben, war ich doch nicht selbst dabei.
Aber die Presseschau eben auf mdr.info hat mich dermaßen geärgert, daß ich doch ein paar Worte verlieren muss.
Ja, es war gut und richtig, daß es hochoffizielle Veranstaltungen gab, an denen sich Menschen beteiligen konnten, denen aus subjektiv nachvollziehbaren Gründen die Sache in der Neustadt zu heiß war.
Ja, es war gut und richtig, daß endlich auch Spitzenpolitiker der CDU in einer Reihe mit PDS-Politikern standen.
ABER:
Den Marsch haben andere verhindert.
Liest man heutige Tageszeitungen, erhält man den Eindruck, als seien die Nazis durch magische Kräfte von einer Menschenkette auf der anderen Elbseite aufgehalten worden.
Das ist einfach nicht richtig.
Die Nazis hätte das genauso wenig gekümmert, wie sie Kerzen und BitteBitte sonst auch nicht kümmerten.
NEIN:
Verhindert haben diesen Marsch tausende mutige Menschen, die sich den Nazis in den Weg gestellt haben. Ich weiß nicht, wesen grenzdebile Idee es war, die Nazis in die Neustadt zu schicken und bin heilfroh, daß genug Menschen da waren, um sie am Bahnhof festzuhalten. Was bei einem tatsächlichen Marsch durch dieses Stadtviertel, um das sich, wie classless kulla schreibt, zahllose ihrer Gewaltphantasien drehen passiert wäre, mag ich mir nicht ausmalen.
Kurz:
Verhindert haben erstmalig seit 12 Jahren diesen Aufmarsch diejenigen, denen vorher Steine verschiedenster Art in den Weg gelegt wurden. Und dafür sollten wir dankbar sein.

Zum Abschluß noch ein paar Hinweise zum Weiterlesen:

Sehr ergiebig ist die Zusammenfassung und Linksammlung bei Spreeblick.

Dann die immer zu empfehlende Julia Seeliger mit dem Rückblick auf einige Live-Ticker. Und mit einem Appell an Frau Orosz.

Und ergänzend der Bericht von classless Kulla, dessen Schlußfolgerungen und Positionen ich nicht vollständig teilen kann – aber auch diese Position gehört dazu, will ich mich unglaubwürdig machen. 😉

Der Hausheilige hat zu dieser Problematik bekanntlich einiges zu sagen und ist hier auch schon ausführlich zu Wort gekommen. Heute mal ein Erfahrungsbericht:

Aber Deutsche, die so auf Deutschen herumhacken, wie das die Nazis in die deutsche Politik eingeführt haben (denn sie haben es getan und nicht die Kommunisten) so etwas hats nicht gegeben.
In Wiesbaden bin ich nach der Vorlesung an den Nazis vorbeigefahren; sie standen da und stießen ihren Original-Schlachtruf aus: »Huuu !« und sie warfen mit Steinen und alten Brocken und waren überhaupt furchtbar mutig. Ich war nämlich einer und sie waren eine Herde. Ich sah in ihre Augen: verhetzt, verdummt, verbrüllt . . . und keine Idee dahinter.
Jedem Pazifisten die Ehre abschneiden; hinter den Republikanern her sein wie die Wölfe; das politische Leben vergiften; Minister mit Personalstunk bekämpfen; Straßen durchbrüllen und Fensterscheiben zerschmeißen; nach einem mißglückten Putsch von nichts wissen und alles abschwören; vor Gericht kneifen . . . wie nennt man solche Leute?
Was die deutschen Frontsoldaten angeht: sie sind keine Schweine gewesen.

aus: Wer hat die Frontsoldaten »Schweine« genannt –? in: Werke und Briefe: 1930. Tucholsky: Werke, Briefe, Materialien, S. 7332 (vgl. Tucholsky-GW Bd. 8, S. 64) (c) Rowohlt Verlag http://www.digitale-bibliothek.de/band15.htm

Dresden

Das Buch zum Sonntag (33)

Für die heute beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre:

Nikolai Bucharin: Das letzte Wort des Verurteilten am 12. März 1938

Mein Bild von Bucharin ist im Wesentlichen geprägt von Ilja Ehrenburg, der in seinen Memoiren ein warmes Bild dieses Revolutionärs zeichnet (was nicht zuletzt wohl auch darin begründet liegt, daß für Ehrenburg, der nie im engeren Sinne revolutionär tätig war, Bucharin den Revolutionär verkörperte, der er wohl gerne gewesen wäre – aber das führt jetzt zu weit). Nun bin ich keine 14 mehr und inzwischen durchaus in der Lage, Quellen kritisch zu hinterfragen. Aber eine emotionale Grundsympathie für diese letztlich tragische Gestalt der sowjetischen Revolution bleibt.
Die Biographie Bucharins, insbesondere aber sein Verhältnis zu Stalin, kann als exemplarisch gelten für die Methode der Unberechenbarkeit, der Willkürlichkeit, die Stalin anhaftete. Jenem gelang es ganz hervorragend, die Rolle des guten und weisen Zaren zu spielen, der nur durch schlechte Berater davon abgehalten wird, allen die Glückseligkeit zu bringen. Dies zeigt sich immer wieder an den Briefen, die Stalin insbesodnere von alten Weggenossen geschickt wurden. Ich halte jedoch eine gezielte Zermürbungstaktik, ein bewußtes Hinhalten – kurz: ein durchaus überlegtes Verhalten, geführt von einem Gespür für Machterhalt für sehr viel wahrscheinlicher. Aber auch das führt hier zu weit.
Bucharin gehörte zur ganz alten Garde der Bolschewiki, nahm bereits an der Revolution von 1905 teil und zählte zu den zentralen Figuren der zwanziger Jahre. Er fiel bei Stalin Ende der zwanziger Jahre in Ungnade und wurde in den folgenden Jahren immer wieder von Posten entfernt, um daraufhin woanders wieder eingesetzt zu werden – Bucharins unverbrüchlichen Ethos des Revolutionärs, der sich immer der großen Sache verpflichtet sieht, ausnutzend.
Im Rahmen der Stalinschen Säuberung wurde auch Bucharin schließlich angeklagt – und im Rahmen der Moskauer Schauprozesse zum Tode verurteilt.
Seine Rede nun ist ein großartiges Dokument, in dem er noch einmal brilliert mit intellektueller Schärfe, mit böser Ironie – er vollbringt hier das Kunststück, Stalin und dessen Handlanger zu entlarven, ohne aber offen Kritik zu üben.
Ganz im Gegenteil, er erkennt das Urteil vollkommen an, gesteht die Taten ein, derer er beschuldigt wurde – und führt dann aus, warum das alles an den Haaren herbeigezogen sein muß. Das ist ganz großes Kino (und zeigt übrigens die fatale Logik des revolutionären Ethos, sobald die Revolution vorbei ist: Die entscheidende Prämisse einer jeden Revolution ist, daß die revolutionäre Bewegung unbedingt richtig ist und alles, was zur Erreichung dieses Ziels notwendig ist, umgesetzt werden muß, egal, welche Opfer dafür nötig sind und ob man persönlich deren Sinn erkennt. Mit dieser Methode lassen sich Umwälzungen herbeiführen – aber einen Staat auf einer permanenten Revolution aufzubauen, muß zwangsläufig zu fundamentalistischer Repression führen. Denn es braucht ja stets jemanden, der zu bekämpfen ist. Aber das führt mal wieder zu weit.)*
Aber lassen wir einmal Bucharin selbst reden. Nachdem er also sich in allen Punkten schuldig bekannt hat, geht er nun Stück für Stück alle Aussagen der Mitangeklagten und Zeugen durch:

Iwanow. Über seine Aussagen muß ich überhaupt folgendes sagen. Die entsprechenden Personen, die in der Vergangenheit mit der Ochrana verbunden waren, sagen aus, daß sie aus Furcht vor einer Entlarvung beschlossen haben, den Kampf gegen die Sowjetmacht zu führen, und deswegen zu den Rechten gingen, zur illegalen Organisation, sich auf den Terror orientierte. Aber wo ist da die Logik? Eine ausgezeichnete Logik, aus Furcht vor einer möglichen Entlarvung in eine terroristische Organisation zu gehen, wo man morgen schon erwischt werden kann. Man kann sich das schwer vorstellen. Ich wenigstens kann mir das nicht vorstellen. Aber der Bürger Staatsanwalt hat ihnen geglaubt, obwohl all dies offenbar nicht überzeugend klingt.
Chodshajew behauptet, daß ich ihm geraten habe, mit dem englischen Residenten in Verbindung zu treten, und Ikramow sagt, daß ich ihm erklärt hätte, Turkestan stelle einen Leckerbissen für England dar. In Wirklichkeit war die Sache durchaus nicht so. Chodshajew sagte ich, daß man die Widersprüche zwischen den imperialistischen Mächten ausnützen muß, und ich unterstützte andeutungsweise den Gedanken der Unabhängigkeit Turkestans. Über irgendwelche Residenten fiel kein einziges Wort. Der Bürger Staatlicher Ankläger fragte – aber haben Sie Chodshajew gesehen? Ich habe ihn gesehen. War das in Taschkent? Das war in Taschkent. Sprachen Sie mit ihm von Politik? Von Politik. Also haben Sie mit ihm vom Residenten gesprochen. Solche Schlußfolgerungen figurierten nicht nur einmal, aber wenn ich gegen solche Schlußfolgerungen protestierte, dann beschuldigte mich der Bürger Staatsanwalt, daß ich die Unwahrheit sage, Finten machte, die Wahrheit zu verheimlichen wünsche usw., und er wurde von einer ganzen Reihe meiner Mitangeklagten unterstützt. Aber mir scheint, daß in diesem Fall die wirkliche Logik vollkommen auf meiner Seite ist.

Lieferbar ist derzeit keine Ausgabe, aber es gibt noch Restposten und gebrauchte Exemplare

dieser Ausgabe,

die mit einem Essay von Stefan Reinecke ergänzt wurde. Das scheint mir besonders für diejenigen unter der geneigten Leserschaft sinnvoll, die nicht mit allen Details der sowjetischen Poltikgeschichte dieser Zeit vertraut sind.

*diese Überlegungen gehören zu einem meiner bevorzugten Themenkreise, der Frage nämlich, wie Menschen im vollen Glauben daran, das Gute und Richtige zu tun, ganz katastrophal Falsches tun. Wobei auch hier zu beachten ist, daß Bucharin vollkommen klar war, wer hier wirklich verantwortlich ist. Nach dem Tode Stalins fand man in dessen Schreibtisch einen Brief Bucharins, den er nach der Verurteilung schrieb und der mit den Worten beginnt: „Koba, wozu brauchst Du meinen Tod?“

Das Buch zum Sonntag (33)