Das letzte Recht

Seit meiner Jugend beschäftigt mich das Thema „Suizid“ aus hier jetzt nicht näher zu benennenden Gründen.
Der Tod Robert Enkes, insbesondere jedoch die unglaubliche Berichterstattung in journalistischen (wenn man dieses Etikett noch zubilligen möchte) Beiträgen und in diversen sozialen Netzwerken hat mich daher nicht unberührt gelassen. Das für mich dabei erschreckende ist die Selbstreferentialität der Kommentatoren – es steht nicht der Mensch, der dort entschieden hat, aus dem Leben zu gehen, im Mittelpunkt, sondern nur die eigene Betroffenheit. Anstatt ihm die Würde und den Respekt zu lassen, der angeblich Hintergrund all der Äußerungen von „Boulevard“ über „Seriös“ und Fernsehen bis Twitter ist, wird er zur Projektionsfläche eitler Selbstbestätigungen oder debiler Jagd nach Klicks, Quoten und was sonst so Werbekunden beeindruckt. Näheres bei Niggemeier.

Seit Emil Durkheims inzwischen zum soziologischen Grundlagentext gewordener Untersuchung über den Selbstmord, scheint sich nicht viel getan zu haben. Im Gegenteil.

Meine Gedanken dazu mal wieder sehr viel besser formuliert, hat Frédéric Valin auf Spreeblick, dessen Beitrag ich hiermit dringend zur Lektüre empfehle.

Im Übrigen möchte ich noch Frau Bergs drastischen, aber gewohnt pointierten Beitrag auf Twitter dazu zitieren:

sich selber umbringen , ist das letzte verschissene recht, das wir sklaven haben! respektiert das

(nachzusehen hier)

Die Frage, wie vor diesem Hintergrund die Entscheidung zu bewerten ist, sich eher umbringen zu lassen und damit andere in psychisch schwer zu bewältigende Situationen zu bringen (und zumindest beim Lokführer geht es nicht um regelmäßige, zum Berufsbild gehörende Situationen), vermag ich nur prinzipiell und damit rein abstrakt zu beurteilen. Über Herrn Enke wage ich nicht, den Stab zu brechen.
Und dabei möchte ich es auch bewenden lassen. Für die Debatte verweise ich noch einmal auf den Originalbeitrag bei Spreeblick.

UPDATE (14.11.09): Berichterstattung geht auch anders. So zum Beispiel.

UPDATE 2 (18.11.09): Es überkam mich letzte Woche großes Grauen, betrachtete ich die weitere Berichterstattung des ach so qualitätsvollen Journalismus. Eine Zusammenfassung unter dem Aspekt des „Werther-Effekts“ findet sich bei Stefan Niggemeier. Ebenfalls lesenswert sind dort die Beiträge der letzten Woche zu diversen medialen Fehlleistungen. Insbesondere sei hier auf diesen, diesen und jenen Beitrag verwiesen.

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