Gachmurets zweite Kulturwoche: Anime

Anime: Akira

In der ersten Kulturwoche empfahl ich bereits einen Film, der nach Meinung eines Rezensenten dazu geeignet war, das Genre des Animationsfilmes neu zu denken.
Ähnliches ließe sich über „Akira“ sagen. Wenn auch in der westlichen, insbesondere der europäischen Wahrnehmung japanischer Animationsfilme der Paukenschlag, mit dem dieser Film auftrat noch weit höher eingeschätzt werden muß, als in Japan.
Im Gegensatz zu Miyazakis Arbeiten, insbesondere sei hier Prinzessin Mononoke zu nennen, die durchaus Türöffnerfunktion haben, bleibt „Akira“ ein durchweg japanischer Film – wenn auch mit einer Erzählstruktur, die westlicher Gewohnheit eher liegen mag, als sagen wir mal „Ghost in the Shell“, über den bei anderer Gelegenheit noch zu reden sein wird.
„Akira“ ist ein düsterer Film, der klassisch gewordene Themen der Manga- und Anime-Welt aufgreift. Basierend auf seiner gleichnamigen Manga-Serie erzählt Otomo Katsuhiro vom Neo-Tokio des Jahres 2019, einige Jahre nach dem dritten Weltkrieg (eine UrKatastrophe dieser Art ist durchaus gängige Voraussetzung für diverse Zukunftsszenarien, mögen sie nun eher technisch oder eher mythisch motiviert sein). Die Mitglieder einer Motorrad-Gang begegnen dabei einem kleinen Jungen, der wie ein Greis aussieht, jedoch über übernatürliche Fähigkeiten verfügt.
Tetsuo und Kaneda, befreundete Hauptfiguren der Gang, sind anschließend die (offensichtlichen) Protagonisten eines im Hintergrund tobenden Kampfes um „Akira“, in Kälteschlaf versetztes Erbe der Forschung vor dem Krieg.
Die zutiefst ethischen Fragen nach den Grenzen menschlicher Forschung, nach der Verantwortung für die Welt, in der wir leben, sind Grundtopoi japanischer Mangas und der mit ihnen eng verwandten Animes.
Seit Jahrzehnten exerzieren sie dies in allen Facetten durch, ob es offensichtlich und für jeden erkennbar um die Zerstörung der des Gleichgewichts mit der und in der Natur (Prinzessin Mononoke, Miyazaki hat einen stark westlichen Erzählstil, was seine Arbeiten für das hiesige Publikum leichter zugänglich macht) oder ob es verwickelt und kaum durchschaubar um die Abhängigkeit vom Funktionieren technischer Systeme (Ghost in the Shell) oder die Frage nach menschlicher Identität überhaupt geht (Heads) – erst mit Akira begann man außerhalb Japans wahrzunehmen, daß es sich hier nicht nur um Kindergeschichten handelt. Ein Mißverständnis im Übrigen, das auch bis heute nicht völlig ausgeräumt ist.
Viel zu leicht läßt man sich vom grellen, bunten Kostüm oder den natürlich auch existierenden schlichten, tatsächlich für kleine Kinder geschriebenen Geschichten, dazu verleiten, die zeitgenössische Ausdrucksform der Erzählkultur einer uralten Zivilisation leichtfertig abzutun (tut mir Leid, drunter tu ich´s nicht. 😉 ). Das wäre in etwa so sinnvoll wie das deutsche Kulturschaffen nach Prinzessin Lillifee und Benjamin Blümchen zu beurteilen.
Abschließend sei noch auf die hervorragende technische Qualität der Umsetzung hingewiesen. Natürlich geht es hier genretypisch hoch her, was den Einsatz explosiver Mittel angeht, doch ich bitte wirklich eindringlich, nicht zu vergessen, daß nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Entscheidend sollte doch nicht die gewählt Ausdrucksform, sondern immer die künstlerische Aussage sein. Wer sich wirklich darauf einläßt, kann in „Akira“ weit mehr sehen, als ein paar gut gezeichnete Explosionen.

Die Mangas gibt es, leider nur in gespiegelter Leserichtung, hier.
Der Film ist im gut sortierten Fachhandel erhältlich, oder zum Beispiel hier.

Zum Schluß mal noch den offiziellen Trailer zum Blue-Ray-Start, mit einer kurzen Anmerkung: Das im Hintergrund gesungene Lied ist uralt, es kennt jeder, aber keiner weiß mehr, was es bedeutet. Und im Film selbst erzeugt es in der dortigen Version an der passenden Stelle ein sehr unbehagliches Gefühl.

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