Das Buch zum Sonntag (6)

Für die morgen beginnende Woche empfehle ich dem geneigten Lesepublikum zur Lektüre:

Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis

Diese „vierbändige Trilogie in fünf Teilen“ gehört zu den einflußreichsten Werken des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts. Ursprünglich verfasst als Hörspielreihe für die BBC überarbeitete Adams (1952-2001) das Original fürs Fernsehen, als Roman und zuletzt auch fürs Kino (auch wenn er, und das merkt man dem Ergebnis an, diese wegen seines plötzlichen Todes nicht beenden konnte). Dabei gibt es immer wieder Abweichungen. Gleichbleibend ist allerdings die Grundkonstruktion: Die Erde wird von einem vogonischen Bautrupp zwecks Bau einer Hyperraum-Umgehungsstraße gesprengt und der Protagonist der Romane, Arthur Dent (dessen Haus in diesem Moment einer Umgehungsstraße auf Erden weichen soll…), samt dessen Freund Ford Prefect entkommen in letzter Minute.
Vollkommen überfordert mit der Tatsache, daß außerirdisches Leben nicht nur existiert, sondern überhaupt das einzige noch existierende Leben im Universum darstellt, bekommt Arthur einen Reiseführer in die Hand gedrückt, über dessen Beschaffenheit ich mal aus dem Buch zitiere:

Wahrscheinlich das bemerkenswerteste Buch, das die großen Verlage von Ursa Minor je herausbrachten – von denen ebenfalls kein Erdenmensch je etwas gehört hat.
Und dieses Buch ist nicht nur außerordenlich bemerkenswert, es ist auch außerordentlich erfolgreich – populärer als Der Himmlische Heimschützer-Almnanach, es verkauft sich besser als Dreiundfünfzig neue Sachen, die man bei Schwerelosigkeit machen kann und ist streitlustiger als Oolon Coluphids drei philosophische Bombenerfolge, Wo Gott sich irrte, Noch ein paar von Gottes größten Fehlern und Wer ist denn dieser Gott überhaupt?
In vielen der etwas lässigeren Zivilisationen am äußersten Ostrand der Galaxis hat der Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis die große Encyclopedia Galactica als Standard-Nachschlagewerk für alle Kenntnisse und Weisheiten inzwischen längst abgelöst. Denn obwohl er viele Lücken hat und viele Dinge enthält, die sehr zweifelhaft oder zumindest wahnsinnig ungenau sind, ist er dem älteren und viel langatmigeren Werk in zweierlei Hinsicht überlegen.
Erstens ist er ein bißchen billiger, und zweitens stehen auf seinem Umschlag in großen, freundlichen Buchstaben die Worte KEINE PANIK.

(S. 14 der Gesamtausgabe 2006).

dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein: Es geht in Wirklichkeit gar nicht um Außerirdische, es geht um die absurde Welt der Menschen, deren Unwichtigkeit in Anbetracht der Galaxis übrigens Arthur Dent auch regelmäßig um die Ohren gehauen bekommt.
Diese Pentalogie sprüht vor geistreichen Einfällen und bitterbösen satirischen Rundumschlägen, wie ich sie bisher nur aus britischer Erzähltradition kenne. Adams hat zudem einige derart grandiose Figuren geschaffen, daß es wirklich ein Genuß ist, ihnen durch die 5 Bücher zu folgen.

Allerdings, und dies möchte ich abschließend anmerken, verändert sich der Ton zusehends, insbesondere die beiden letzten Bände (die ja auch ergänzend zur eigentlich abgeschlossenen Trilogie erschienen) lassen die geistreich-spritzige Erzählweise der ersten drei Teile zurücktreten und entwerfen ein deutlich düsteres Bild.

Doch das letzte Wort möge Herr Adams haben:

Es ist eine bedeutende und allgemein verbreitete Tatsache, daß die Dinge nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen. Zum Beispiel waren die Menschen auf dem Planeten Erde immer der Meinung, sie seien intelligenter als die Delphine, weil sie so vieles zustandegebracht hatten – das Rad, New York, Kriege und so weiter, während die Delphine doch nichts weiter taten, als im Wasser herumzutoben und sich´s wohl sein zu lassen. Aber umgekehrt waren auch die Delphine der Meinung, sie seien intelligenter als die Menschen, und zwar aus genau den gleichen Gründen.
Komischerweise wußten die Delphine schon lange vorher von der drohenden Zerstörung der Erde und hatten viele Versuche unternommen, die Menschheit auf die Gefahr aufmerksam zu machen, doch wurden die meisten ihrer Botschaften als amüsante Versuche mißdeutet, einen Fußball mit dem Kopf zu treffen oder nach irgendwelchen Leckereien zu pfeifen, so daß sie es schließlich aufgaben und die Erde, kurz bevor die Vogonen kamen, auf ihre ganz persönliche Art und Weise verließen. Die allerletzte Botschaft der Delphine wurde als der erstaunlich kunstfertige Versuch mißverstanden, einen doppelten Salto rückwärts durch einen Reifen zu vollführen und dabei „Heil dir im Siegerkranz“ zu flöten; in Wirklichkeit aber lautete die Botschaft: Macht´s gut und danke für den vielen Fisch.

(S. 129)

Das Buch ist als einbändige Gesamtausgabe bei Zweitausendeins lieferbar.*

Wer an meiner Aussage über die Relevanz der Pentalogie zweifelt, möge folgende Links probieren…

http://tinyurl.com/o6g4z4
http://tinyurl.com/5a593n

Es gäbe noch ein paar andere Dinge, aber ich möchte hier nicht spoilern. 😉

*Heyne hat es nicht geschafft, die Bücher als Reihe ins VLB einzupflegen, was die Suche etwas mühselig macht – und ein sinnvolles Verlinken nahezu unmöglich. 😉
Die Bücher heißen im einzelnen:

Per Anhalter durch die Galaxis
Das Restaurant am Ende des Universums
Das Leben, das Universum und der ganze Rest
Macht´s gut und Danke für den Fisch
Einmal Rupert und zurück

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Das Buch zum Sonntag (6)

Ein Gedanke zu “Das Buch zum Sonntag (6)

  1. Das Buch zum Sonntag (20)Für die morgen beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre:

    Kurt Tucholsky: Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte.

    Zu den wenigen Ideen, die ich beim Beginn dieser Reihe hatte, gehörte, den Hausheiligen so lange wie mög…

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