Gachmurets Kulturwoche: Film

Film: Die letzten Glühwürmchen

Über diesen Film zu schreiben, fällt mir nicht leicht – und doch ist es mir ein tiefes Bedürfnis. Ich schrieb gestern davon, daß ich davon abrate, von der gewählten Stilrichtung eines Kunstwerkes auf dessen Minderwertigkeit zu schließen. Heute ein Beispiel dafür, daß ein Animationsfilm in seiner kulturellen Leistung weder einem Theaterstück noch einem Realfilm auch nur im geringsten nachstehen muß.
„Die letzten Glühwürmchen“ ist der berührendste, erschütterndste Film, den ich bis heute gesehen habe. Basierend auf der Erzählung von 野坂 昭如 (Nosaka Akiyuki)
火垂るの墓 (Hotaru no Haka, 1968, dt.: Das Grab der Leuchtkäfer, 1992) wird die Geschichte des vierzehnjährigen Setsuko und seiner vierjährigen Schwester Seita während der Endphase des zweiten Weltkrieges in Japan. Nach einem Bombenangriff auf Kōbe, bei dem ihre Mutter stirbt, ziehen die Geschwister zu ihrer Tante. Doch wird den beiden das Leben dort bald unerträglich und sie beschließen, sich selbst zu versorgen.
Hiermit beginnt ein verzweifelter Überlebenskampf, bei dem Setsuko von Gelegenheitsarbeiten bis zum Stehlen alles versucht, um seine zusehends schwächer werdende Schwester zu retten und ihr ein Leben ohne Angst vor dem Morgen zu bieten. Er blendet vor ihr alle Schwierigkeiten ihrer Lage aus, läßt sie ganz Kind sein, was für ihn auch bedeutet, ihr Quengeln über Hitze, Kälte und Hunger aufzufangen.
Der Film zeichnet aus einer vollkommen unpathetischen, neutralen Position heraus, läßt die Figuren für sich stehen und wirken – und genau das macht ihn so stark, in seiner emotionalen Wirkung schon beinahe unerträglich. Hier ist es nicht nur die Geschichte an sich, die berührt, hier ist es das ruhige, unaufgeregte Erzählen, die Zeit, die der Film dem Zuschauenden gibt, um Szenen wirken zu lassen, die diesen Film zu einem ganz besonderen Kunstwerk macht.

Roger Ebert schreibt in seiner Rezension in der Chicago Sun Times: „An emotional experience so powerful that it forces a rethinking of animation.“ Und dies möchte ich allen ins Stammbuch schreiben, die bei jedem Animationsfilm nur denken „Ach, so ein Kinderkram“.
Dies scheint im Übrigen auch auf die in meinen Augen nach eigenartigen Kriterien arbeitende FSK zu gelten, die den Film ab 6 Jahren freigibt (klar: Es gibt keinen riesigen Spannungsbogen und Schockszenen mit Gewalt und Sex oder gar entblößten Brüsten gibt es auch nicht, also…)
Das Lexikon des Internationalen Films rät zu einem Mindestalter von 16 Jahren – und da scheinen sie mir schon deutlich näher dran.
Ich jedenfalls rate dazu, sich den Film auf keinen Fall alleine anzuschauen. Wer nicht beim Holländer-Michl zum Tauschen war, wird Gesprächsbedarf haben.

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Gachmurets Kulturwoche: Film

Ein Gedanke zu “Gachmurets Kulturwoche: Film

  1. Gachmurets zweite Kulturwoche: AnimeAnime: Akira

    In der ersten Kulturwoche empfahl ich bereits einen Film, der nach Meinung eines Rezensenten dazu geeignet war, das Genre des Animationsfilmes neu zu denken.
    Ähnliches ließe sich über „Akira“ sagen. Wenn auch in der westlichen, insbeso…

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